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Wild Card Roundup

#6 Detroit Tigers (87-75) vs. #3 Cleveland Guardians (88-74)

Game 1: 2-1
Game 2: 1-6
Game 3: 6-3

Tigers advance to the ALDS

Das entscheidende dritte Spiel war lange Zeit offen, ehe die Tigers im 7. Inning mehrere Runs über die Platte brachten und mit 6-1 in Führung gingen.
Die Guardians bäumten sich noch ein letztes mal auf, aber mehr als zwei Runs im 8. Inning sollten nicht mehr gelingen. Das lag vor allem an José Ramirez, der eine katastrophale Serie auf den Bases hatte. In Spiel 1 ließ er sich als tying Run auf dritter Base durch unentschlossenes Baserunning ausmachen, in Spiel 3 schlug er im vierten Inning zunächst den Ausgleich nach Hause, wurde dann aber beim Steal auf die zweite Base erwischt und killte somit die Möglichkeit für eine Rally. Und im 8. Inning brachte ein Fielding Error nach seinem Schlag zwei Runs rein, aber er sprintete nicht mit 100% zur zweiten Base, weshalb die Tigers ihn dort ausmachen konnten.

Wie auch schon letztes Jahr zeigt sich bei den Guardians, dass du nur mit Pitching nicht die World Series gewinnen kannst. Irgendwann brauchst du auch die Power im Lineup und wenn die Guardians im Winter nichts an ihrem Lineup verändern, werden wir sie nächstes Jahr wahrscheinlich wieder in der Postseason begrüßen, wo dann wieder einmal beim ersten starken Gegner Schluss sein wird.

#5 Boston Red Sox (89-73) vs. #4 New York Yankees (94-68)

Game 1: 3-1
Game 2: 3-4
Game 3: 0-4

Yankees advance to the ALDS

Die ersten beiden Spiele hatten Dramatik bis zum Schluss, dennoch war Spiel 3 für mich persönlich das Highlight der bisherigen Postseason. Das liegt hauptsächlich an Cam Schlittler, der in seinem ersten Postseason Start eine Perfomance für die Ewigkeit ablieferte. Er pitchte 8 Innings, kassierte keinen Run, holte 12 Strikeouts und ließ keinen einzigen Walk zu. Das schaffte in der Geschichte der MLB noch niemand. Das schaffte selbst Schlittler in seiner Karriere noch nie – auf keinem professionellen Level erreichte er jemals zweistellige Strikeouts in einem Spiel. Nur einmal erreichte ein Red Sox Spieler überhaupt die zweite Base. Dramatische Spiele mit vielen Wendungen haben ihren Reiz, aber einen Starter – und dann auch noch einen Rookie – derart dominieren zu sehen, hat einfach nur Spaß gemacht. 100mph Heater um Heater rauschten an den Red Sox vorbei, die an diesem Tag kein Land sahen.
Mit dem 100ten Pitch beendete er das 7. Inning unter tosendem Applaus der Yankee Fans.

Doch Aaron Boone hatte keinen Grund, ihn auszuwechseln und so betrat er unter Standing Ovations im 8. Inning erneut den Mound, wo ihm dann die spektakuläre Defense von Ryan McMahon half, das Inning und damit seinen Arbeitstag mit nur 7 Pitches zu beenden und ihn über Nacht zu einem Star zu machen.

Die Red Sox, bei denen mit Roman Anthony einer ihrer besten Spieler fehlte, werden im nächsten Jahr wieder angreifen und ein Roster zur Verfügung haben, welches um die AL East und damit um den Playoffeinzug mitspielen kann.

#5 San Diego Padres (90-72) vs. #4 Chicago Cubs (92-70)

Game 1: 1-3
Game 2: 3-0
Game 3: 1-3

Cubs advance to the NLDS

Yu Darvish und Winner Take All Games werden keine Freunde mehr in diesem Leben. Darvish musste im zweiten Inning bei Bases Loaded und 0 Aus ausgewechselt werden, fast wie durch ein Wunder gelangen den Cubs aber „nur“ zwei Runs in diesem Inning. Dieser Vorsprung reichte aber, da sowohl der Bullpen der Cubs, als auch der Bullpen der Padres wieder einmal dominierten. Chicago konnte sich zudem bei ihrer Defense bedanken, an der die Cubs ein ums andere Mal verzweifelten. Vor allem Luis Arraez dürfte Alpträume von Dansby Swanson bekommen und sein Double Play Partner Nico Hoerner rettete den Vorsprung mit einem spektakulären Catch im 7. Inning.

Kontrovers wurde es aber nochmal am Ende. Die Cubs hatten ihren Closer Daniel Palencia bereits Mitte des Spiels gebracht und setzten im 9. Inning daher auf Brad Keller, der den Leadoff Hitter Xander Bogaerts eigentlich walkte.

Keller warf anschließend noch zwei Padres Batter ab, bevor er ausgewechselt wurde. Nun weiß man natürlich nicht, ob das alles auch so mit Bogaerts als Baserunner passiert wäre, aber den Padres wurde hier die Chance auf Bases Loaded mit 0 Aus genommen. Andrew Kittredge kam rein, löschte das Feuer und sorgte für den ersten Playoff Seriensieg der Cubs seit 2017.

Vor allem die Anführer der Padres in Machado und Tatis waren in dieser Serie eine komplette Enttäuschung. San Diego steht vor einer ungewissen Zukunft, Spieler wie Machado, Bogaerts, Darvish oder Cronenworth haben millionenschwere Verträge, die nicht oder nicht mehr lange zu ihrem Leistungsniveau passen. Das Farmsystem wird regelmäßig zur Trade Deadline geplündert, was zumindest kurzfristig das Team verstärkt, langfristig aber dafür sorgt, dass immer weniger Eigengewächse nachkommen. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass die Padres nächstes Jahr die Playoffs verpassen werden. Das Titelfenster schließt sich so langsam.

Wild Card Review – Tag 2

#6 Detroit Tigers (87-75) vs. #3 Cleveland Guardians (88-74)

Es war klar, dass die Tigers Spiel 1 mit Tarik Skubal auf dem Mound gewinnen müssen, um in dieser Serie eine Chance zu haben und der amtierende und designierte Cy Young Gewinner lieferte ab: 7.2 Innings Pitched, 3 Hits, 14 Strikeouts bei 107 Pitches. Die Guardians schafften es im gesamten Spiel nur zweimal, einen Ball zu treffen, der in Richtung Outfield flog. Dennoch gelang den Guardians das, was sie auszeichnet: Runs durch Walks, Infield Hits, Bunts und Chaos erzwingen. So kam der Ausgleich im vierten Inning durch kühnes Baserunning und einen Chopper über Skubal hinweg zustande.

Die Tigers holten sich die Führung zurück und gingen mit dieser auch in das letzte Inning, wo Leadoff Hitter José Ramirez nach einen verunglückten Fieldingversuch der Tigers direkt auf der dritten Base landete.

Die Guardians versuchten anschließend die gleiche Variante wie schon beim Ausgleich zuvor: Ein Chopper in das Infield – dieser war allerdigs nicht von Erfolg gekrönt und Ramirez machte als Baserunner keine gute Figur, als er zwischen dritter Base und Homeplate gefangen war und somit die Comebackhoffnungen der Guardians praktisch beendete.

Dem frühen Aus ins Auge blickend, entschieden sich die Guardians für radikale Maßnahmen und brachten Chase DeLauter für Spiel 2 in ihr Lineup. DeLauter ist ein Prospect der Guardians, welches zuvor noch nie in der MLB spielte und aufgrund von Verletzungen zuletzt im Juli in den Minor Leagues auf dem Feld stand. Von zwei Monaten komplett ohne Spielpraxis zum MLB Debüt in einem Elimination Game – es gibt sicher angenehmere Debüts und tatsächlich ließ DeLauter direkt im ersten Inning einen Routine Flyball im Center Field fallen, was allerdings keine Auswirkungen auf den Score hatte.

Zu seinem ersten At Bat ließ er sich von John Denvers Country Roads begleiten und erarbeitete sich nach einem 0-2 Count noch einen Walk.

Im vierten Inning war er der entscheidende Mann, als den Tigers bei Bases Loaded und 2 Aus ein Basehit ins Outfield gelang. Geistesgegenwärtig warf DeLauter den Ball zur dritten Base, wo nach langem Review tatsächlich das dritte Aus gegeben wurde – noch bevor der Läufer von der zweiten Base die Homeplate überqueren konnte. Statt der Führung für die Tigers mit Läufern auf 2 und 3 war das Inning vorbei und es blieb beim 1-1.

Brayan Rocchio konnte das Spiel im 8. Inning mit seinem Homerun in Richtung der Guardians kippen.

Cleveland legte im selben Inning nach und zog auf 6-1 davon, dennoch war noch einmal zittern angesagt: Im 9. Inning konnten die Tigers die Bases laden und Dillon Dingler gelang ein satter Line Drive – allerdings auf den perfekt positionierten CJ Kayfus.

Detroit ließ 15 Runner auf den Bases versanden und somit geht es heute in Spiel 3. Für die Tigers wird Jack Flaherty auf den Mound gehen, der keine gute Saison hinter sich hat (4.64 ERA). Die Guardians starten mit Slade Cecconi, der ebenfalls alles andere als sattelfest ist, im September aber immerhin zwei Starts über sieben bzw. acht Innings und ohne Run absolvierte. Fraglich ist auch, ob die Guardians auf ihren Close Cade Smith zurückgreifen können, der in beiden Spielen zum Einsatz kam und gestern 31 Pitches werfen musste.

#5 Boston Red Sox (89-73) vs. #4 New York Yankees (94-68)

Genau wie in Cleveland gab es auch in New York eine meisterhafte Vorstellung durch den Starting Pitcher des Auswärtsteams: Garrett Crochet warf 117 Pitches, strikte 11 Yankees aus und dominierte das Lineup bis in das 8. Inning hin. Auf der Gegenseite hielt sich Max Fried ebenso schadlos und übergab im 7. Inning mit einer 1-0 Führung an den Bullpen, der in Person von Luke Weaver prompt den Blown Save kassierte. Masataka Yoshida brachte zwei Läufer mit einem Single nach Hause, später setzte Alex Bregman mit einem Double noch einen drauf und erhöhte auf 3-1.

Im neunten Inning leckten die Yankees aber nochmal Blut: Aroldis Chapman gab drei Hits in Folge an Goldschmidt, Judge und Bellinger ab und plötzlich waren die Bases Loaded mit 0 Aus. Die Yankees schrieben anschließend Geschichte: Noch nie hatte ein Team in der Postseason im letzten Inning Bases Loaded mit 0 Aus… und konnte keinen einzigen Run erzielen, denn Chapman legte seine beste Houdini Performance hin und beendete mit einem Flyout und zwei Strikeouts Game 1.

Nach dem Spiel gab es viel Kritik an Manager Aaron Boone, der mit Jazz Chisholm und Ben Rice zwei seiner besten Spieler aus dem Lineup genommen hatte, da er das Lefty-Lefty Matchup mit Crochet vermeiden wollte. Beide Spieler waren aber für Spiel 2 wieder im Lineup und sollten zu entscheidenden Figuren werden: Ben Rice brachte die Yankees mit einem 2 Run Homerun im 1. Inning in Führung, die Trevor Story mit einem Bases Loaded Single wieder ausglich.
Ein Fangfehler im Left Field von Jarren Durran brachte die Yankees wieder in Front.

Doch Trevor Story sorgte mit einem Homerun erneut für den Ausgleich.

Das Spiel kippte hin und her, im 7. Inning drohten die Red Sox erneut in Führung zu gehen, als Carlos Rodón die ersten beiden Batter auf Base lassen musste und die Yankees auf den Bullpen wechselten. Fernando Cruz kam in die Party, konnte zwei Aus erzwingen, aber die Red Sox luden erneut die Bases und an den Schlag kam mit Trevor Story der Mann, der sich für alle Punkte der Gäste am heutigen Abend veranwortlich zeigte. Und der traf den Fastball gut.

Was für ein Druckabfall. Im 8. Inning dann der Durchbruch für das Heimteam: Chisholm kam per Walk auf Base und bei 2 Aus und einem 3-2 Pitch konnte er frühzeitig loslaufen, was ihm die entscheidenden Zentimeter an der Homeplate zur 4-3 Führung brachte.

und mit dem letzten At Bat des Abends rutschte allen Yankees Fans das Herz doch nochmal ordentlich in die Hose.

Was für ein unfassbar spannendes Spiel, was für eine unfassbar spannende Serie. Die Yankees wankten mehrfach, aber sie fielen nicht. Heute Abend kommt es zum entscheidenden Spiel 3, mit Connelly Early und Cam Schlittler werden auf beiden Seiten Rookies den Ball in die Hand bekommen. Boston hat die High Leverage Reliever der Yankees jetzt schon zweimal gesehen, was ein Vorteil sein kann. Bei den Red Sox steht ein Fragezeichen hinter Setup Man Garrett Whitlock, der gestern 47 Pitches warf. Wenn auch das dritte Spiel so viel Dramatik beinhaltet, dann wird man sich noch in vielen Jahren von dieser Serie erzählen.

#5 San Diego Padres (90-72) vs. #4 Chicago Cubs (92-70)

Die National League Seite des Tableaus hatte nicht ganz so viel Dramatik zu bieten. Zwar waren auch hier in allen Spielen bis zum Schluss noch Wendungen möglich, aber gerade bei den Padres und Cubs ließen die Bullpens wenig anbrennen. Spiel 1 ging mit 3-1 an die Cubs, deren Reliever 4.2 Innings bestritten und dabei keinen Baserunner zuließen.
in Spiel 2 konnten die Padres früh in Führung gehen und diese dank des Bullpens ebenfalls nach Hause bringen. 5.1 Innings mussten die Reliever in Person von Adrian Morejon, Mason Miller und Robert Suarez arbeiten, ließen dabei aber auch nur einen Hit und keinen Walk zu. Besonders bei Mason Miller war es ein Genuss zuzuschauen.

104 Meilen pro Stunden exakt in die Ecke – unschlagbar dieser Pitch. Miller strikte alle 8 Batter die er zu Gesicht bekam in dieser Serie aus und den Neunten in Folge wahrscheinlich nur nicht, weil er diesen abwarf. Am Ende stand ein 3-0 Sieg und somit gibt es auch in dieser Serie ein alles entscheidendes Spiel 3, bei dem der Vorteil im Starting Pitching bei den Cubs liegt, die mit Jameson Taillon einen formstarken Starter aufbieten können. Für die Padres pitcht Yu Darvish, der in seinen Starts im September stets zwischen zwei und drei Earned Runs abgab, aber auf einen riesigen Erfahrungsschatz in der Postseason zurückgreifen kann.

#6 Cincinnati Reds (83-79) vs. #3 Los Angeles Dodgers (93-69)

Die Bühne für die Reds erwies sich wie es zu erwarten als zu groß. Gegen die Dodgers setzte es mit 5-10 und 4-8 zwei auf dem Papier klare Niederlagen. LA zeigte sich offensiv in Topform und Ohtani eröffnete das Scoring gleich im ersten At Bat des ersten Spiels mit einem Homerun gegen Hunter Greene.

Trotz der klaren Siege mussten die Dodgers aber mehrfach zittern. In Spiel 1 konnten die Reds im 8. Inning beim Stand von 5-10 mit einem Aus die Bases vollmachen, davon aber nicht mehr profitieren. Wie wenig Dave Roberts seinem Bullpen vertraut zeigte sich dann auch nochmal in Spiel 2, als Yamamoto erst nach 113 Pitches und 6.2 Innings ausgewechselt wurde.
Beim Stand von 3-2 für LA im 6. Inning lud sich Yamamoto die Bases voll mit 0 Aus, konnte sich aber aus dieser Situation schadlos befreien. Ein riskantes Manöver von Roberts, der sich im 8. Inning bestätigt gefühlt haben dürfte, als die Reds gegen die Reliever der Dodgers erneut mit 0 Aus die Bases aufladen konnten, aber nur einen Run produzierten. So endete das Spiel mit 4-8 zwar deutlich, aber Cincinnati hätte beide Spiele mit etwas Glück und einem Homerun Swing im richtigen Moment drehen können. Die Dodgers ziehen damit in die NLDS ein, wo sie auf die Philadelphia Phillies treffen werden.

TV Schedule

Heute Abend:
21:08 Uhr – Game 3 – Tigers @ Guardians
23:08 Uhr – Game 3 – Padres @ Cubs
02:08 Uhr – Game 3 – Red Sox @ Yankees

NL Wild Card Preview

#6 Cincinnati Reds (83-79) vs. #3 Los Angeles Dodgers (93-69)

Was bisher geschah: Es ist fast schon unglaublich, dass wir nach diesem Winter in der ersten Runde der Playoffs über die Dodgers sprechen. Was hat man sich in Tinseltown nicht für ein übermächtiges Roster gebaut. Vertragsverlängerung mit Teoscar Hernandez, Verpflichtungen von Roki Sasaki und Blake Snell, Tanner Scott oder Kirby Yates, Clayton Kershaw zurück, Kiké Hernández zurück, Alex Vesia zurück und die Liste geht weiter und weiter und weiter. Auf dem Papier hatten die Dodgers eines der stärksten Roster aller Zeiten und dennoch reichte es am Ende „nur“ für 93 Siege, zum dritten Mal im Folge weniger als im Vorjahr. Das liegt neben einer nicht mehr ganz so überragenden Offensive vor allem am Verletzungspech: 40 Pitcher mussten die Dodgers dieses Jahr einsetzen, mit den Spielern aus dem Lazarett hätte man fast eine zweite Mannschaft aufmachen können. Zwar liefen die Dodgers nie Gefahr die Playoffs zu verpassen, dennoch war eine größere Dominanz zu erwarten. Am Ende landete man „nur“ 3 Siege vor den Padres.

In der NL Central flogen die Cincinnati Reds die meiste Zeit der Saison unter dem Radar. Die Cubs und Brewers schrieben die Schlagzeilen und boten streckenweise hochgradig unterhaltsame Spiele, während man in Ohio stets unaufgeregt einen .500er Ball spielte. Eine 7-3 Bilanz aus den letzten 10 Spielen reichte dank der strauchelnden Mets aber, um sich von 76-76 auf 83-79 und damit auf den letzten Wild Card Platz zu arbeiten. Die Ironie dabei: 2024 waren sie die „fancy newcomer“, die den nächsten Schritt in Richtung Playoffs machen sollten. Damals enttäuschten die Reds. Dieses Jahr ist es ruhiger um die Big Red Machine geworden. Wenn man es anders ausdrücken möchte: Sie sind seriöser geworden.

Was erwartet uns: Das auf dem Papier am wenigsten spannende Matchup der ersten Runde: Der amtierende Meister gegen einen Playoff „Neuling“. Nimmt man die stark verkürzte Corona Saison 2020 raus, warten die Fans in Cincinnati seit 2013 auf Playoff Baseball im Great American Ballpark. Freuen kann man sich über den ersten Auftritt in den Playoffs von Elly de la Cruz, zudem kehrt mit Terry Francona eine Manager Legende mit Championship Erfahrung zurück in die Postseason. Auf der anderen Seite spielt mit Shohei Ohtani nicht nur der designierte MVP in dieser Serie mit, wahrscheinlich werden wir ihn auch wieder als Pitcher auf dem Mound sehen. Zurzeit wäre er für ein potentielles drittes Spiel als Starter vorgesehen.

Stärken und Schwächen: Auch wenn die Dodgers über die Saison gesehen verwundbar waren und vor allem der Bullpen große Sorgen bereitete, zeigte der Pfeil in den letzten Tagen wieder deutlich nach Oben. Mit Yamamoto, Snell und Ohtani steht ein Trio an der Spitze der Rotation, das in dieser Postseason kein Team überbieten kann. Dazu wurde Roki Sasaki wieder rechtzeitig fit, der aus dem Bullpen heraus unterstützen kann, genau wie der junge Emmet Sheehan, der in 15 Starts einen 2.82 ERA auflegen konnte. Clayton Kershaw pitchte am letzten Spieltag der Saison und ist daher erst wieder für eine potentielle Divisional Series im Roster. Im Lineup könnte Will Smith fehlen, der an einem Haarriss in der Hand laboriert. Sollte er ausfallen, fehlt den Dodgers der zweitbeste Schlagmann hinter Ohtani. Auch wenn Teoscar Hernández und Mookie Betts für ihre Verhältnisse keine gute Saison spielten, ist dieses Dodger Lineup dennoch weiterhin stark. Weit stärker jedenfalls, als das Lineup der Reds, die sich mit den Guardians um den Titel als harmloseste Offensive streiten dürfen. Elly de la Cruz ist mit 22 Homeruns der Teamleader, der Dominikaner legte aber nicht die Superstar Saison hin, die man ihm zugetraut hätte. Dahinter wird es schon sehr dünn und meine Begeisterung diesem Team beim Schlagen zuzusehen, hält sich stark in Grenzen. Da ist es immerhin von Vorteil, dass Cincinnati eine exzellente Rotation für eine Serie über drei Spiele vorweisen kann, angeführt vom 25-jährigen Hunter Greene. Sucht man nach starkem Starting Pitching, wird man also am ehesten in dieser Serie fündig. Auch der Bullpen der Reds ist solide, mit Emilio Pagán und Tony Santillan als verlässliche Optionen für das Spielende. Die Reds sollten in der Lage sein, Runs zu verhindern. Die Frage die diese Serie entscheiden wird ist aber, ob sie auch in der Lage sind, Runs zu erzielen.

Urgency Index

Cincinnati Reds: 4/10 – Der letzte Titel ist von 1990. Seitdem stehen nur fünf Playoffteilnahmen zu Buche, bei denen man lediglich zwei Spiele gewinnen konnte. Trotzdem gehen die Reds als totaler Außenseiter in die Playoffs und niemand erwartet einen tiefen Run dieser Mannschaft. Auf dem aktuellen Gerüst, allen voran der Rotation, lässt sich aber aufbauen und mit Verstärkungen in der Offensive kann dieses Team in Zukunft zu einem Contender werden.  

Los Angeles Dodgers: 1/10 – 12 der letzten 13 Jahre gewannen die Dodgers ihre Division, diese Serie wird in nächster Zeit nicht aufhören. Auch die nächsten Jahre wird LA jedes Jahr Titelfavorit bleiben.

Mein Tipp: Dodgers in 2


#5 San Diego Padres (90-72) vs. #4 Chicago Cubs (92-70)

Was bisher geschah: Die Chicago Cubs machten die große Schlagzeile in der Offseason, als man Kyle Tucker von den Houston Astros verpflichtete, der nur noch ein Jahr Restvertrag hatte. Tucker sollte ein gutes Team zu einem sehr guten Team machen, fiel aber Mitte der Saison zuerst in einen Slump und landete schließlich auf der IL, von der er erst vor wenigen Tagen wieder aktiviert wurde. Eine weitere Hiobsbotschaft war die Ellenbogenverletzung von Justin Steele, der für das Jahr ausfiel. Das Loch in der Rotation füllte Rookie Cade Horton, der sich als zuverlässigster Starter der Cubs etablierte, wenngleich er ebenfalls für die erste Playoffrunde mit einer Rippenverletzung ausfällt. Chicago spielte konstant soliden Baseball und verbesserte seinen Record im Vergleich zum Vorjahr um 9 Siege, was aufgrund der extrem starken Saison der Brewers aber nur für Platz 2 in der Division reichte.

Die San Diego Padres spielten erneut eine gute Saison und knöpften den Dodgers im August streckenweise sogar die Führung in der NL West ab. General Manager AJ Preller machte seinem Ruf als Draufgänger wieder einmal alle Ehre und tradete an der Deadline für Closer Mason Miller von den Athletics, der noch vier Jahre unter Teamkontrolle steht und mit Leodalis de Vries als #3 Prospect der MLB einen teuren Gegenwert kostete. Rookie Sensation Jackson Merrill verpasste allerdings viele Spiele verletzt und auch in der Rotation wurde aufgrund von Verletzungen und Formschwäche viel gewechselt. Am Ende erreichten die Padres relativ unaufgeregt die Wild Card Runde, den Status als Topfavorit neben den Dodgers aus dem letzten Jahr konnten Sie aber nicht halten.

Was erwartet uns: Ein Duell der beiden besten defensiven Outfielder des Planeten in Pete Crow-Armstrong und Fernando Tatis Jr könnte für einige spektakuläre Highlights sorgen. Zudem fühlt sich diese Paarung von allen Wild Card Matchups am meisten nach einem echten 50/50 Duell zweier wirklich guter Teams an. Auch wenn die Serie ausschließlich im Wrigley Field stattfinden wird, sind beide Teams für ihre treuen Fans und die Atmosphäre im Stadion bekannt, egal wer also weiterkommt: Beide Teams wären eine Bereicherung für die nächste Runde.

Stärken und Schwächen: Wie schon im Saisonverlauf angedeutet, zählt die Rotation bei beiden Teams nicht zu den Stärken. Die Cubs müssen mit Cade Horton auf ihren besten Mann verzichten, Shota Imanaga zeigte nach einem Stint auf der IL zum Abschluss der Saison schwache Leistungen und auch bei Matthew Boyd zeigt der Formpfeil eher nach Unten.

Bei den Padres hat sich überraschenderweise der 32-jährige Nick Pivetta zum Anker der Rotation entwickelt. Er ist der beste Starter in diesem Matchup, dahinter hat San Diego aber mit einigen Fragezeichen zu kämpfen. Da kommt es den Kaliforniern gelegen, dass sie mit Abstand den besten Bullpen aller Teams stellen. Egal ob Mason Miller, Adrian Morejon, Jeremiah Estrada oder Robert Suarez, die Padres haben alle Mittel um nicht nur Führungen, sondern auch ein langes Bullpen Game zu covern.

Der Vorteil im Lineup geht knapp an die Cubs, die mit 223 zu 152 deutlich mehr Homeruns aufweisen können – gleichzeitig aber auch mit vielen unbekannten Variablen zu kämpfen haben. Pete Crow Armstrong war in den letzten Wochen und Monaten trotz seiner insgesamt 31 Homeruns einer der schwächsten Hitter der Major Leagues, Kyle Tucker kommt frisch von der IL und auch Seiya Suzuki hatte trotz seiner 5 Homeruns in der letzten Saisonwoche einen katastrophalen September. Die Padres müssen ihrerseits verletzungsbedingt auf Outfielder Ramón Laureano verzichten und haben keinen Hitter mit mehr als 27 Homeruns im Lineup, trotz schwungvoller Namen wie Tatis, Machado oder Bogaerts.

Trotz dieser eher negativ anmutenden Fakten sollte man sich nicht blenden lassen, das hier sind immer noch zwei offensivstarke Teams mit wenig Löchern im Lineup.

Urgency Index

San Diego Padres: 9/10 – Die Padres konnten die World Series noch nie gewinnen und mussten in jüngerer Vergangenheit trotz großartiger Saisons dramatische Niederlagen in den Playoffs gegen die Phillies und Dodgers einstecken. Anführer Manny Machado ist mit 33 Jahren nicht mehr lange in seiner Prime, die Starting Rotation könnte in der Free Agency auseinander brechen. Der Druck ist da, um den Titel endlich nach San Diego zu holen.

Chicago Cubs: 7/10 – Die Free Agency von Kyle Tucker schwebt wie ein Damoklesschwert über diesem Team. Sollten die Cubbies ihn im Winter verlieren, haben sie zwar weiterhin einen guten Stamm, aber nicht den Superstar, der sie in die Sphären der Spitzenteams führen kann. Ein frühes Ausscheiden wäre angesichts des Hypes zu Beginn der Saison eine große Enttäuschung.

Mein Tipp: Padres in 3

AL Wild Card Preview

Die reguläre Saison ist vorbei, die Postseason ist hier. Meine Wild Card Preview beinhaltet den eigens entwickelten „Urgency Index“, der auf einer Skala von 1 (gar nicht urgent) bis 10 (extrem urgent) bewertet, wie sehr die Clubs und vor allem die Fans den Gewinn der World Series nötig haben. Dabei spielen Faktoren wie historischer Erfolg, aktuelle Situation und zukünftige Chancen auf die Meisterschaft eine Rolle. Eine Franchise ohne Championship auf dem Briefpapier mit einem Kern aus 40-Jährigen Leistungsträgern, die sich alle in ihrem letzten Karrierejahr befinden würde also eine klare 10 bekommen.

#5 Boston Red Sox (89-73) vs. #4 New York Yankees (94-68)

Was bisher geschah: Für die New York Yankees startete das Jahr alles andere als gut. Frisch von der Niederlage in der World Series kommend, gab es im Winter den ersten harten Schlag zu verkraften: Juan Soto wechselte aus der Bronx ein paar Kilometer Richtung Osten nach Queens. Kurze Zeit später platzte die nächste Bombe: Gerrit Cole musste unter das Messer und fiel für die komplette Saison 2025 aus. Davon ließen sich die Bronx Bombers aber nicht unterkriegen. Der aus Atlanta als Free Agent verpflichtete Max Fried nahm die Rolle von Cole als neuer Anker der Rotation ein und die Last von Soto wurde auf mehreren Schultern verteilt, wobei vor allem Rooke Ben Rice, Trent Grisham und der ebenfalls neu verpflichtete Cody Bellinger zu nennen sind, die als Trio 87 Homeruns schlugen. Die Yankees konnten sich zunächst eine ordentliche Führung in der Division herausspielen, aber ab Mitte der Saison strauchelte man vor allem aufgrund eines formschwachen Bullpens, der auch mit zahlreichen Deadline Acquisitions nicht vollends überzeugen konnte. Die Blue Jays übernahmen ab Juli die Führung in der Division und gaben sie bis zum letzten Spieltag nicht mehr ab, auch wenn die Yankees mit 8 Siegen am Stück zum Ende der Saison nochmal ordentlich Druck ausüben konnten.

Die Boston Red Sox gingen als Geheimfavorit in das Jahr. Aus einer 81-81 Saison kommend, besaß man ein Farmsystem mit etlichen High End Prospects, welche in der Saison mal mehr (Roman Anthony) und mal weniger (Kristian Campbell) einschlugen. Zusätzlich verstärkte man sich mit Free Agent Alex Bregman und konnte Lefty Garrett Crochet von den White Sox verpflichten, der mit einem ERA von 2.59 einer der dominantesten Starter des Jahres war. Durch Bregmans Verpflichtung kam es aber auch zu Querelen mit Rafael Devers, der sich zunächst weigerte, seine Position für Bregman aufzugeben und schlussendlich zu den San Francisco Giants getradet wurde. Die Red Sox standen zu diesem Zeitpunkt bei .500 und hatten laut Fangraphs eine Playoff Wahrscheinlichkeit von 31%. Mit einer 10 Spiele andauernden Siegesserie vor dem AllStar Break und dem gleichzeitigen Niedergang der Tampa Bay Rays spielten sich die Red Sox aber in einer solide Ausgangsposition, die sie den Rest des Jahres nicht mehr verspielen sollten.

Was erwartet uns: Eine der traditionsreichsten Rivalitäten in der MLB bekommt eine neue Auflage. Unvergessen sind die Duelle Anfang des Jahrtausends, von Aaron Boones (aktueller Manager der Yankees) Walk Off Homerun in Spiel 7 der ALCS bis zum 0-3 Comeback der Red Sox ein Jahr später. Die Rollen sind mittlerweile vertauscht, die Yankees warten seit 16 Jahren auf einen Titel, während die Red Sox mit 2004, 2007, 2013 und 2018 das erfolgreichste Team des aktuellen Jahrtausends sind. Zuletzt traf man 2021 in der Postseason aufeinander, damals noch im alten Wild Card Format. Das Alles oder Nichts Spiel konnten die Red Sox mit 6-2 für sich entscheiden, in der ALCS war dann gegen die Astros Schluss.

Stärken und Schwächen: Den Spitznamen „Bronx Bombers“ haben die Yankees nicht umsonst. New York schlug die meisten Homeruns in der Saison, neben Aaron Judges 53 taten sich aber auch andere Namen hervor. Catcher Austin Wells (21), Jazz Chisholm (31), Anthony Volpe (19), Trent Grisham (34), Ben Rice (28), Cody Bellinger (29) und natürlich der alte Veteran Giancarlo Stanton (24) können ein Spiel jederzeit mit einem Swing entscheiden. Mit Carlos Rodon und Max Fried steht zudem ein starker 1-2 Punch in der Rotation. Fragezeichen hingegen gibt es weiterhin beim Bullpen. Das Trio Clay Holmes, Tommy Kahnle und Luke Weaver welches die Yankees letztes Jahr durch die Postseason trug ist entweder bei anderen Teams unter Vertrag (Mets bzw. Tigers), oder kommt nicht an die Leistung aus dem Vorjahr heran. Camilo Doval und Devin Williams haben sich nicht als Verstärkung herausgestellt. Closen wird wahrscheinlich der von den Pirates an der Deadline verpflichtete David Bednar. Bei eigener Führung ist für Yankee Fans auf jeden Fall zittern angesagt.

Das verhält sich bei den Red Sox genau umgekehrt. Der ewige Aroldis Chapman spielt mit 37 seine wahrscheinlich beste Profisaison und übertrifft weiterhin regelmäßig die 100mph Grenze. Kein Closer war dieses Jahr besser als er. Mit Garrett Whitlock gibt es einen dominanten Setup Man vor ihm. Die Rotation hinter Garrett Crochet hat allerdings einige Fragezeichen. Brayan Bello hat ein Breakout Jahr hinter sich und Lucas Giolito hat nach Jahren der Frustration seine Qualität wiedergefunden, aber beides sind keine Starter, die ein Playoff Lineup dominieren. Die Offensive kann nicht mit den Yankees mithalten und ist mitunter streaky. Beide Teams sind zudem nicht für ihre gute Defense bekannt.

Urgency-Index

New York Yankees: 6/10 – die letzte Meisterschaft ist für Yankee-Verhältnisse Lichtjahre entfernt, Stanton, Judge und Cole sind relativ alt, zudem muss Judge für seine Legacy noch nachweisen, dass er die Yankees auch in der Postseason anführen kann. Die Finalniederlage aus dem letzten Jahr ist zudem noch schmerzhaft in Erinnerung. Trotzdem – es sind immer noch die Yankees und nur wenige Leute werden ihnen nachtrauern, sollten sie frühzeitig die Segel streichen

Boston Red Sox: 1/10 – Mit 4 World Series Trophäen in den letzten 21 Jahren ist man fast schon erfolgsverwöhnt, auch wenn mit besserem Management noch mehr Titel möglich gewesen wären. Warum ich aber glaube, dass Boston diesen Titel wirklich nicht braucht: Das Farmsystem ist so geladen, dass die Red Sox auch so in den nächsten 4-5 Jahren problemlos um den Titel mitspielen sollten, wenn man sich nicht ganz blöd anstellt.

Mein Tipp: Yankees in 3.

#6 Detroit Tigers (87-75) vs. #3 Cleveland Guardians (88-74)

Was bisher geschah: Nachdem die Tigers letztes Jahr eine erste Duftnote setzen konnten und die Astros in der Wild Card eliminierten, für die sie sich zuvor durch einen Endspurt qualifizieren konnten, gingen sie dieses Jahr als Favorit in der AL Central ins Rennen. Der junge Kern sollte sich weiterentwickeln und zudem durch weitere Talente verstärkt werden. Das funktionierte nur zum Teil, mit Jackson Jobe musste das vielversprechendste Pitching Talent frühzeitig unter das Messer und fiel somit für die komplette Saison aus. Spieler wie Catcher Dillon Dingler oder Spencer Torkelson konnten sich dennoch etablieren und das offensivschwache Lineup der Tigers verstärken. Somit führte man im Juli die AL Central mit 14 Siegen vor den Royals, Twins und Guardians an und alles deutete auf einen entspannten Divisiontitel hin, ehe eine Durststrecke von 8 Niederlagen im September, gepaart mit einer unvergleichlichen Siegesserie der Guardians doch noch dafür sorgte, dass die Tigers vom Thron gestoßen wurden. Und damit ist mehr oder weniger auch schon die Geschichte der Guardians erzählt. Das Team unterscheidet sich in seinen Stärken und Schwächen eigentlich nicht vom letztjährigen Team, welches die ALCS erreichen konnte. Aufregung gab es während der Saison, als AllStar Closer Emmanuel Clase wegen Ermittlungen zu Wettmanipulation für den Rest des Jahres gesperrt wurde. Die Saison schien erledigt, doch im September verwandelten sich plötzlich alle Starter in Cleveland zu Prime Randy Johnson und Cleveland konnte trotz der dürftigen Offensive einfach nicht mehr verlieren. Das Resultat ist der sechste Divisiontitel in den letzten 10 Jahren und ein First Round Matchup mit den Tigers, auf die man in den letzten zwei Wochen der regulären Saison 6 mal traf und davon 5 Spiele gewinnen konnte.

Was erwartet uns: Ein Duell für Pitchingliebhaber und Taktikfüchse. Die beiden Manager AJ Hinch und Stephen Vogt haben letztes Jahr in den Playoffs gezeigt, dass sie zu den besten im Geschäft gehören wenn es darum geht, Matchups im Bullpen auszunutzen. Ein Offensivfeuerwerk können wir nicht erwarten, umso entscheidender wird jeder einzelne Homerun am Ende sein. Beide Teams trafen bereits letztes Jahr in der ALDS aufeinander, damals konnten sich die Guardians in Spiel 5 gegen Tarik Skubal durchsetzen.

Stärken und Schwächen: Beide Teams zeichnen sich nicht durch ihre Offensive aus. Während die Guardians wie schon letztes Jahr mit einem extrem schwachen Lineup auflaufen werden, bei dem José Ramirez der einzige wirkliche Topspieler ist, gibt es bei den Tigers zwar etwas mehr Power zu beobachten, dafür allerdings auch mehr Strikeouts. Kein Spieler in der American League strikte häufiger aus, als Tigers Starspieler Riley Greene (36 Homeruns bei 201 Strikeouts). Dementsprechend liegt der Fokus auf dem Pitching Staff: Die Tigers können in Game 1 mit Tarik Skubal den wahrscheinlich besten Starting Pitcher aller Postseason Teams stellen. Dahinter hingegen wird es für Detroit in der Rotation äußerst dünn. Das kann in einer 3 Game Series in der Wild Card reichen, spätestens bei längeren Serien entwickelt sich das aber zu einem Problem. Der Bullpen ist solide, hat aber keinen wirklichen herausragenden Arm, der mit Strikeouts die Kohlen aus dem Feuer holt.

Die Guardians können keinen Pitcher der Klasse Skubal stellen, haben dafür aber eine bestechende Form ihrer Starter, welche den niedrigsten ERA in der MLB seit Ende August haben. Mit Cade Smith steht zudem ein Shutdown Reliever bereit, den die Tigers so nicht vorweisen können. Die Guardians haben zudem bewiesen, dass sie die Power Bats der Tigers im direkten Duell gut eindämmen können.

Urgency-Index

Cleveland Guardians: 7/10 – der letzte Titelgewinn liegt 77 Jahre zurück. In der Zwischenzeit gab es viele niederschmetternde Niederlagen. Dieses Team steht auf fragilen Säulen und wird hauptsächlich von seinem Pitching getragen. Die Frage ist, wie lange noch? Ich sehe die Guardians nicht als Favorit für die Playoffs in den nächsten Jahren – das hier könnte erstmal die letzte Chance auf ein Titel sein. Die Guardians sind meiner Meinung nach aber mit den Reds das schwächste Team in der Postseason. Hier wird bei einem frühen Aus keiner von einer Enttäuschung sprechen.

Detroit Tigers: 4/10 – über 40 Jahre ist der letzte Titel der Tigers her. Das ist eine lange Durststrecke, aber ich glaube, dass die Tigers mit den vielen starken jungen Talenten in den nächsten Jahren eine noch bessere Chance haben werden, die World Series zu gewinnen, als jetzt. Das Titelfenster öffnet sich für die Tigers erst.

Mein Tipp: Guardians in 3.

Die letzte Woche der Regular Season

Nur noch eine Woche verbleibt in der regulären Saison! Wir sind also im Botton 9th Inning des Jahres und das Playoffrennen ist nochmal richtig spannend geworden.

Die Blue Jays führen die Division weiterhin an, aber die Yankees haben zuletzt Boden gutgemacht und haben noch alle Chancen auf den Divisionsieg. Währen die Yankees mit den Orioles und White Sox ein relativ einfaches Restprogramm haben, müssen die Blue Jays noch in eine 3 Game Series gegen die Red Sox. Obwohl Toronto mit 89-66 die beste Bilanz der American League hat, sind sie noch nicht für die Playoffs qualifiziert – das zeigt sehr gut, wie unglaublich ausgeglichen die American League dieses Jahr ist.

In der AL Central deutet sich der größte September-Collapse aller Zeiten, bzw. gleichzeitig eine der unglaublichsten Aufholjagden in der Geschichte an.

Grund dafür sind die Cleveland Guardians. Das Pitching war schon letztes Jahr ihr Steckenpferd, aber was sie im September bisher abliefern, ist nochmal besser. Um nicht zu sagen: Überragend

Am 4. September waren die Guardians 11 Spiele hinter den Tigers. 16 Tage später ist es nur noch ein einziges Spiel. Die Guardians sind in der Zwischenzeit 15-1 gegangen, während Detroit auf einmal eiskalt geworden ist (2-8 in den letzten 10).

Beide Teams haben sich bereits vor kurzem getroffen, morgen kommt es erneut zum Aufeinandertreffen in einer 3 Game Series, die über diese Division entscheiden wird.

Vor 11 Tagen hatten die Tigers eine Chance auf den Divisiontitel von 99.9%. Jetzt sind es nur noch ca. 63%

Auch in der AL West gab es eine dramatische Wendung: Die Mariners spielten sich in einen September-Flow, während die Leistung der Astros nachließ. Beide Teams trafen in den letzten Tagen in einer 3 Game Series aufeinander. Die Mariners konnten die ersten beiden Spiele gewinnen, aber mit einem Sieg im dritten Spiel hätten die Astros in der Tabelle zumindest wieder gleichziehen können.

Beim Spielstand von 6-4 für die Mariners im 9. Inning unten, mit Läufern auf 1 und 2 hatten die Astros die Chance, das Spiel und die Saison zu drehen – doch Victor Robles hatte etwas dagegen:

Seattle ist nun in bester Ausgangsposition, allerdings müssen sie am Ende der Saison noch drei Spiele gegen die LA Dodgers bestreiten.

Das Playoff Picture ist somit komplett offen.

Die Guardians und Astros teilen sich zurzeit den letzten Wild Card Spot, aber auch die Red Sox, Tigers und Mariners können innerhalb kürzester Zeit noch ganz aus den Playoffs fliegen. Selbst die Blue Jays und Yankees sind noch nicht qualifiziert.


In der National League ist die Situation ein wenig entspannter – zumindest für die Phillies, die von einem Collapse der Mets profitierten und souverän die Division gewonnen haben.

Auch die Brewers konnten ihre Divisionführung verteidigen, die Cubs sind über die Wild Card für die Playoffs qualifiziert.

In der NL West hatten die Dodgers vor kurzen eine ziemliche Schwächephase, man verlor Serien gegen die Pirates, Diamondbacks und Orioles. Gleichzeitig konnten die Padres aber nicht davon profitieren, da sie ebenfalls Serien gegen die Twins, Orioles und Mariners verloren. Somit gehen die Dodgers mit hoher Wahrscheinlichkeit als Divisionsieger in die Playoffs, müssen dort aber als schwächstes erstplatziertes Team dennoch in der Wild Card Runde ran.

Jetzt könnte man denken, dass in der National League die Luft raus ist – aber das ist weit gefehlt, denn das Rennen um den letzten Wild Card Platz ist nochmal richtig heiß geworden.

Das liegt an zwei Dingen – einerseits an den New York Mets, die seit dem Start des Augusts eine Bilanz von 18-28 aufweisen und sich somit nicht nur aus dem Rennen um die Division verabscheidet haben, sondern auch Gefahr laufen, die Wild Card zu verpassen, andererseits an den Reds und vor allem Diamondbacks. Arizona hat an der Deadline verkauft, niemand hat damit gerechnet, dass sie dieses Jahr um die Playoffs mitspielen würden. Ein Spurt von 27-19 seit August hat sie aber über .500 geführt und jetzt schnuppern sie doch nochmal an der Postseason. Der Weg dorthin wird aber hart: In den letzten beiden Serien der Saison geht es gegen die Dodgers und Padres. Sollten sie sich qualifizieren, wird es in den Playoffs direkt wieder gegen die Dogers gehen.
Die Reds haben mit den Pirates und Brewers ebenfalls ein schweres Restprogramm.
Mit den Cubs, Marlins und einem Spiel gegen die Nationals wird es aber auch für die Mets nicht gerade einfach, gerade wenn man ihre aktuelle Form betrachtet.
Die Giants waren bis zuletzt ebenfalls in der Verlosung, nach 5 Niederlagen aus 6 Spielen gegen die Dodgers wird es aber wohl nichts mit der Postseason, auch wenn sie mit den Cardinals und Rockies das einfachste Restprogramm haben.

Weitere Schlagzeilen:

  • Mike Trout schlägt seinen Karriere Homerun Nr. 400. Der Fan der seinen Ball gefangen hat, gibt ihn an Trout zurück, unter der Bedingung, dass sie nach dem Spiel gemeinsam eine Runde Werfen, was Trout dann auch macht.
  • Cal Raleigh wird mit Homerun Nummer 57 zum All Time Single Season Franchise Rekordhalter.
  • In seinem ersten Jahr bei den Mets schlägt Juan Soto Homerun Nummer 42 – sein persönliches Career High.
  • Clayton Kershaw kündigt sein Karriereende zum Ende der Saison an. Mit einem Ausscheiden der Dodgers aus den Playoffs endet als auch seine Karriere

Letzter Spieltag ist Sonntag, der 28.09.2025. Die Postseason startet dann mit der Wild Card Round zwei Tage später am 30.09. mit drei Quadrupleheadern in Folge.

Nolan McLeans Debüt für die Mets

Bild: D. Benjamin Miller

Gestern hat bei den Mets ein Pitching Prospect sein Debüt gegeben und ich hab mir das ganze live angeschaut. Vielleicht sehen wir ihn ja in der Postseason wieder?

Das Prospect

Nolan McLean, 24 Jahre, Rechtshänder.

Auf dem College (Oklahoma State) war er zunächst ein Two Way Athlete und hat neben Baseball auch Football gespielt. Sein Talent für Baseball war dann aber irgendwann nicht mehr zu übersehen, sodass er sich komplett auf Baseball konzentrierte. Auch hier war er zunächst ein Two Way Player und spielte sowohl als 3rd Baseman, als auch als Pitcher. Die Orioles drafteten ihn 2022 in der dritten Runde als Pitcher, er ging aber zurück ans College und wurde ein Jahr später von den Mets erneut in der dritten Runde gedrafted, dieses Mal mit dem Versprechen, ihn als Two Way Player zu entwickeln. In den Minor Leagues zeigte sich sein Talent, den Ball beim Pitch mit unheimlich hoher Rotationsrate zu werfen, sodass recht schnell klar war, dass sein Weg in die Major League nur über die Position des Pitchers führt. Seit diesem Jahr konzentriert er sich exklusiv auf das Pitchen.

Sein Fastball liegt bei ca 95mph, dazu hat er einen unglaublich starken Sweeper/Slider, einen Curveball, Cutter, Sinker und Changeup wie das Movement Profile von Baseball Savant zeigt.

Die Ausgangssituation

Der Umstieg auf das reine Pitchen hat McLean gut getan, war er 2024 noch kein Top 100 Prospect, konnte er dieses Jahr in allen Rankings in die Höhe schießen. McLean startete die Saison in AA, erreichte dann AAA, wo er in 16 Spielen ein 2.78 ERA auflegte.
Die New York Mets haben zuletzt 14 der letzten 16 Spiele verloren und stecken in einer handfesten Krise. Die Führung in der Division ist weg und jetzt droht auch der Verlust der Wild Card.
Ein Hauptgrund: Die schwache Pitching Rotation, die zurzeit geplagt ist von Formschwäche und Verletzungen. Keiner der Pitcher schafft es, Länge zu geben und regelmäßig müssen die Mets ab dem 5. Inning oder früher den Bullpen strapazieren.

Der Gegner

Die Seattle Mariners (68-56), die seit der Trade Deadline im Aufwind sind und das erste Spiel der Serie gegen die Mets mit 11-9 nach 3-6 Rückstand gewinnen konnten. Auf dem Mound: Bryan Woo, ein Pitcher, der die Gegner in der Zone attackiert und kaum Walks erlaubt.

Die Performance

Mit Randy Arozarena konnte McLean gleich den Leadoff Hitter mit drei Slidern ausstriken – ein Vorbote dafür, dass er heute sein besten Stuff abrufen können würde.

Außer einem Walk zu Cal Raleigh konnte er sich in den ersten beiden Innings schadlos halten.
Das dritte Inning fing dann nicht so gut an. Er hatte Probleme mit der Kontrolle und musste die ersten beiden Batter per Walk auf Base lassen. Das Lineup rollte wieder an den Start und Randy Arozarena kam an den Schlag, den er diesesmal mit zwei aufeinanderfolgenden Sinkern ausstriken konnte. Cal Raleigh konnte einen Pitch knapp unterhalb der Knie ins Outfield befördern, doch sein Single brachte keine Runs nach Hause. Mit Bases Loaded und 1 Aus kam Julio Rodriguez an den Schlag, der aber in ein Inning Ending Double Play schlug.
Die folgenden Innings waren wieder bedeutend ruhiger. Nach einem Strikeout gegen Julio Rodriguez im fünften Inning war nach 91 Pitches Schluss. Ein perfekt geworfener Sinker an die Außenkante, einer der besten seiner vielen starken Pitches an diesem Tag.

Ein beeindruckendes Debüt, welches unheimlich Spaß gemacht hat. Er hat jetzt schon ein wahnsinnig gutes Gefühl für seine Breaking Balls und wenn man sieht, wie wenig Erfahrung er als Starting Pitcher hat, haben die Mets hier ein extrem spannendes Talent in ihren Reihen. Die wilde Phase im dritten Inning sei ihm als Rookie erlaubt.

Final Line: 5.1 IP | Win | 2 Hits | 0 Runs | 8 Strikeouts | 4 Walks

Das Highlight

Das Double Play im dritten Inning war nicht nur irgendein Double Play, es war ein Comebacker zu McLean, der den Ball behind the back fieldete und zur Zwei warf.

Das Spiel

Auch Bryan Woo hatte sein A-Game mitgebracht. Lediglich im dritten Inning musste er ein RBI Double von Francisco Lindor hinnehmen. Lindor ist wirklich der Puls dieser Mannschaft, wenn er geht, gehen alle anderen mit. Mit dieser 1:0 Führung war McLean dann auch in Line für den Sieg. Soto und Alonso konnten den Vorsprung im 7. Inning gegen die Mariners Reliever auf 3:0 ausbauen. Die Mets setzten auf Gregory Soto als Ablösung für McLean, bevor Edwin Diaz einen 6-Out Save über zwei Innings komplettierte, dabei aber noch einen Solo Homerun gegen Eugenio Suarez abgeben musste. Endstand: 3:1, ein dringend benötiger Sieg für die kriselnden Mets und ein perfektes Debüt für Nolan McLean, der vielleicht wieder etwas Leben in die Bude in Flushing bringt.

Trade Deadline Preview: Drei Teams unter der Lupe

Bild: Charles Edward Miller

Die Trade Deadline steht bevor. Vor allem Starter und Reliever sind Positionsgruppen, die traditionell jeder Contender verbessern möchte. Das macht die Deadline unvorhersehbar, man kann nicht abschätzen, wer tatsächlich zuschlägt und wer auf der anderen Seite wirklich zum Verkauf steht. Letztes Jahr tradeten die Detroit Tigers Jack Flaherty (den Protagonisten des Beitragsbildes) zu den Dodgers, nur um mit einem sensationellen Lauf doch noch in die Playoffs einzuziehen.

In diesem Beitrag will ich drei Teams unter die Lupe nehmen, welche die Deadline als Verkäufer entscheidend prägen könnten.

Arizona Diamondbacks (50-52), 5.5 Games behind WC

Wahrscheinlich der größte Dominostein auf dem Markt. Die nächste Woche wird darüber entscheiden, ob man den Reset-Knopf drückt, oder weiter um die Playoffs spielt. Die Konkurrent in der NL ist sehr stark, aber 5.5 Spiele hinter der letzten Wild Card sind kein uneinholbarer Rückstand.

Potentielle Tradekandidaten:

1. Eugenio Suarez (3B) – Wahrscheinlich der am heißesten umworbene Spieler zurzeit. 35 Homeruns sind hinter Cal Raleigh und Aaron Judge Platz 3. Seine Defense an dritter Base ist zu vernachlässigen, aber sein Bat kann den Unterschied machen. Hat einen auslaufenden Vertrag.
2. Merrill Kelly (SP) – war integraler Bestandteil des World Series Finalteams vor zwei Jahren und ist auch dieses Jahr Arizonas bester Starter (3.32 ERA). Mit auslaufendem Vertrag und 36 Jahren gibt es wenig Gründe, ihn noch zu halten, wenn man nicht mehr an die Playoffs glaubt.
3. Zac Gallen (SP) – der andere Starting Pitcher, der die Diamondbacks in die World Series führte. Ebenfalls mit auslaufendem Vertrag, aber deutlich jünger als Kelly (29), dafür mit einer bisher ziemlich miesen Saison (5.40 ERA). Der größte Unterschied zu den Vorjahren ist, dass er deutlich mehr Homeruns abgibt.
4. Josh Naylor (1B) – wäre der prototypische DH/1B Slugger für einen Contender für mehr Flexibilität in der Offensive. Legt dieses Jahr einen Karrierebestwert in On Base Percentage auf und hat ebenfalls einen auslaufenden Vertrag, bei dem ich mir nicht vorstellen kann, dass die Diamondbacks Interesse haben ihn zu verlängern, sonst hätten sie Christian Walker in der Offseason nicht gehen lassen.

Der Haken an der ganzen Sache: Die Diamondbacks werden nur ein wirklich gutes Angebot annehmen, denn mit Ausnahme von Kelly kann man bei den anderen drei Spielern davon ausgehen, dass sie im Sommer einen langfristigen Vertrag anstreben. Die Diamondbacks könnten ihnen ein Qualifying Offer für ein Jahr machen, welches die Spieler wahrscheinlich ablehnen würden. Das würde für die Diamondbacks im Gegenzug bedeuten, dass sie für den Verlust der Spieler gleich drei Draftpicks am Ende der ersten Runde des 2026er Drafts bekommen würden. Tradet Arizona die Spieler hingegen, bekommen Sie auch keine Kompensationspicks. Die Schlangen sitzen hier also in einer guten Verhandlungsposition und sind nicht gezwungen zu verkaufen.


Baltimore Orioles (44-56), 8.5 Games behind WC

Die Orioles wären gut beraten, an dieser Deadline zu verkaufen und dabei zu schauen, dass man im Gegenzug Verstärkung für das nächste Jahr bekommt.

Potentielle Tradekandidaten:

1. Ryan O’Hearn (1B) – hat sich dieses Jahr nochmal gesteigert und spielt mit 31 seine beste Offensivsaison inklusive Nominierung für das Allstar-Spiel. Er wird am Ende des Jahres Free Agent, einem wirklich offensivschwachen Team kann er helfen, ansonsten glaube ich aber nicht, dass Baltimore viel Gegenwert erhalten wird
2. Cedric Mullins (OF) – ist Publikumsliebling, weil er den kompletten Rebuild der Orioles überstanden hat und auch in dunklen Tagen einer der wenigen Lichtblicke war. Seine Saison dieses Jahr allerdings ist schwach und mit 30 Jahren ist es unwahrscheinlich, dass er noch lange im Center Field spielen wird. Soll heißen: Die Orioles werden eher anderen Spielern eine Verlängerung anbieten als ihm und damit ist er verfügbar. Wenn er in der zweiten Saisonhälfte wieder in die Spur findet, kann er jedem Contender im Outfield helfen.
3. Adley Rutschman (C) – okay, das klingt zwar verrückt und ich glaube auch nicht, dass Rutschman getradet wird, aber wenn man sich die Fakten anschaut, würde es Sinn ergeben: Seine Offensivstatistiken sind seit seinem Debüt 2022 nun im vierten Jahr in Folge rückläufig, sein On Base + Slugging von .806 (2022) liegt zum Beispiel in diesem Jahr bei .691. Auch seine Advanced Metrics sind eingebrochen und zeigen mittlerweile das Profil eines absolut durchschnittlichen Catchers. Zeitgleich wartet mit Samuel Basallo das beste Catcher Prospect der Liga in Triple A nur darauf, endlich in die Majors hochgezogen zu werden. Früher oder später wird einer von beiden sowieso gehen müssen oder die Position wechseln, von daher macht es Sinn ihn zu traden, solange sein Wert noch hoch ist. Mit 2.5 weiteren Jahren an Teamkontrolle könnte man auch einen hohen Gegenwert bekommen
4. Felix Bautista (RP) – da er noch Vertrag für die nächsten zwei Jahre hat und einer der absoluten Topreliever der Liga ist, könnten die Orioles ihn auch halten. Aber Reliever Performance unterliegt immer einer hohen Fluktuation und gerade durch diesen langfristigen Vertrag könnte Baltimore einen hohen Gegenwert aufrufen.
5. Zach Eflin (SP) – spielt zwar eine furchtbare Saison, aber war in seiner Karriere stets ein solider Starter und kann das hintere Ende einer Rotation verstärken. Viel Gegenwert werden die Orioles nicht bekommen, aber er wäre mein „Dark Horse“ für einen Trade unter dem Radar, der am Ende entscheidend für ein Playoffteam sein könnte. Anstelle eines Bullpen Games startet Eflin in den Playoffs, legt 5+ Innings mit 2 ER auf und alle sind glücklich.

Angesichts der recht aussichtsslosen Situation und dem mittlerweile ausgedünnten Farmsystem sollten die Orioles einer der aktivsten Teams an der Deadline sein. Leider hat GM Mike Elias in letzter Zeit nicht gerade das beste Bild in dieser Situation abgegeben, sein Job könnte vom Erfolg der Deadline abhängig sein.


Cleveland Guardians (50-50) – 2.5 Games behind WC

Die Guardians sind in einer relativ guten Position: Die Wild Card ist noch in realistischer Reichweite, ihre Division schwach. Allerdings sollte man sich in Ohio ernsthaft die Frage stellen, wie lange man mit dem aktuellen Konzept noch weitermachen will. Die Offensive besteht nicht erst seit diesem Jahr aus Jose Ramirez, ein bisschen Steven Kwan und sieben Statisten. Das muss sich ändern. Cleveland hat weniger Quantität, dafür mehr Qualität auf der Angebotsseite und genau das Gold, nach dem jeder Contender schürft: Reliever

Potentielle Tradekandidaten:

1. Emmanuel Clase (RP) – er sollte dem Gelegenheitsgucker noch ein Name aus der letztjährigen Postseason sein, wo er nach einer unglaublichen Saison mit 0.61 ERA, Cy-Young und MVP Votes in den Playoffs implodierte. Nichtsdestotrotz ist und bleibt er einer der besten Closer, der zudem noch 3.5 Jahre unter Teamkontrolle steht.
2. Cade Smith (RP) – Smith ist wahrscheinlich einer, wenn nicht sogar der beste Reliever, der nicht für sein Team closed. Rechnet man seine 4.5 Jahre an Teamkontrolle dazu, würde es den Guardians als Small Market Team auch angesichts des niedrigen Gehalts schwer fallen, ihn abzugeben. Bei einem entsprechenden Gegenwert für das Lineup sollte das aber unbedingt getan werden.
3. Hunter Gaddis (RP) – der nächste Reliever im Bunde, der die Guardians letztes Jahr mit starken Leistungen in die Postseason geführt hat. Er ist spielt nicht ganz in der Liga von Clase oder Smith, hat mit 2.5 Jahren an verbleibender Teamkontrolle aber ebenfalls einen hohen Tradewert und wäre ideal für ein Team wie die Mets, die eine Brücke zwischen Starter und 8./9. Inning benötigen.

Cleveland braucht unbedingt Bats für das Lineup, auch über 2025 hinaus. Alle drei Reliever sind langfristig unter Teamkontrolle und dürften dementsprechend einen guten Gegenwert einbringen. Auch wenn 2.5 Spiele hinter der Wild Card wenig Rückstand sind, so würde ich hier keine Sekunde zögern und den „Sell“-Button drücken.

National League – 1st Half Recap

Bild: Ian D’Andrea

NL EAST

Überraschung: Die Fische auf Platz 3? Damit war nicht zu rechnen. GMs und Experten hatten Schwierigkeiten vor der Saison auch nur drei Spieler im Lineup der Marlins zu nennen. 44-51 ist sicher auch kein Record für den man sich auf die Schulter klopfen sollte, aber es ist um Welten besser als das, was vor der Saison zu befürchten war.

Enttäuschung: Für eine Franchise die den nächsten Schritt im Rebuild einläuten wollte stehen die Nationals sehr schlecht da, aber keiner schlägt hier die Atlanta Braves, welche 11 Spiele unter .500 stehen. Das Outfield ist mit Ausnahme von Ronald Acuna Jr. ein Trauerspiel, Spencer Strider noch lange nicht wieder der Alte und Leistungsträger wie Austin Riley oder Ozzie Albies spielen unter ihrem Potential. Etwas Pech war auch dabei: Der Record in 1-Run Games steht bei 13-24 und die Rundifferenz ist sogar leicht im Positiven.

Breakout Player: LF James Wood, Washington Nationals

Bild: Sewageboy

Wood war einer der zahlreichen Spieler, die 2022 im Gegenzug für Juan Soto nach Washington kamen. Mittlerweile kristallisiert sich heraus, dass die Nationals mit diesem Trade alles richtig gemacht haben. In einer von Tristesse geprägten Mannschaft stechen genau drei Spieler heraus: Shortstop CJ Abrams, Starter McKenzie Gore und nun eben auch James Wood – alle drei Spieler kamen im Soto Trade an den Anacostia River. Wood legte in der ersten Halbserie 24 Homeruns auf, zwar auch mit 116 Strikeouts, aber die Nats haben in den 201cm großen Outfielder nach Bryce Harper und Juan Soto ihren nächsten Franchise Player gefunden.

Breakdown Player: SP Sandy Alcantara, Miami Marlins

Alcantara teilt sich das exakt gleiche Schicksal mit Luis Robert Jr. von den White Sox. Als letzter verbliebender Leistungsträgers eines Rebuilding Teams war er eine heiße Aktie für den Trade Markt, aber die Marlins entschieden sich dazu, ihn noch nicht in der Offseason zu traden, sondern mit ihm in die Saison zu gehen. Nach derzeitigem Stand die falsche Entscheidung: Ein Jahr nach einer Tommy John Operation liegt sein ERA bei schwindelerregenden 7.22. Es bleibt abzuwarten, ob die Teams mit Hinblick auf die Deadline für ihn ins Risiko gehen werden.

MVP: SP Zack Wheeler, Philadelphia Phillies

In dieser Division gibt es keinen Clear Cut MVP, aber das beste Teams sind die Phillies und ihr bester Mann auf dem Mound ist wieder einmal Zack Wheeler, der mit seinen 35 Jahren weiter seinen dominanten, unaufgeregten Stiefel herunterspielt. 2.36 ERA, ligabeste 154 Strikeouts, es ist mehr als beeindruckend wie konstant er Jahr für Jahr auch in seinen 30ern abliefert und dabei immer verletzungsfrei bleibt. Noch zwei weitere Jahre auf diesem Niveau und die Hall of Fame klopft an.

Outlook: Die Mets und Phillies werden diese Division unter sich ausmachen, mein Gefühl sagt mir, dass Philadelphia am Ende die Nase vorn haben wird. Atlanta wird sich irgendwo auf .500 vorarbeiten, aber die Playoffs in der starken NL am Ende verpassen. Die Nats überholen die Marlins noch für Platz 4 in der Division.


NL CENTRAL

Überraschung: Die Cardinals hätte ich nicht so gut erwartet, aber die wirkliche Überraschung sind die Milwaukee Brewers, die nur ein Spiel hinter den Cubs liegen. Das magische Pitching Labor der Brew Crew hat wieder einmal aus ein paar No-Names wie Chad Patrick, Quinn Priester oder Jacob Misiorowski veritable Starter gemacht. Neu in Wisconsin ist aber, dass auch die Offensive funktioniert. 8 der 9 Starter haben ein OPS+ von über 100, selbst der von den White Sox entlassene Andrew Vaughn kommt zu den Brewers und liefert mehrere game winning Hits. In dieser Verfassung hat Milwaukee das Zeug, um ordentlich Lärm in den Playoffs zu machen, sollten sie diese erreichen.

Enttäuschung: Was soll man noch sagen, es sind wieder einmal die Pirates. Die Offensive ist miserabel, da hilft auch kein Paul Skenes mehr. Der nächste Rebuilding Zyklus zeichnet sich am Horizont ab.

Breakout Player: CF Pete Crow-Armstrong, Chicago Cubs

Bild: Minda Haas Kuhlmann

Das Potential zum besten defensiven Center Fielder in der MLB war bei PCA schon früh zu erkennen. Das Potential seines Bats hingegen war stets umstritten. Dieses Jahr wissen wir: Es ist ähnlich hoch, wie das seiner Defensive. 25 Homeruns, ein OPS+ von 140 und ein Wins Above Replacement Wert von 5.2 – Ligaspitze. Crow-Armstrong macht in diesem Jahr den Sprung zum Superstar sowie Franchise Player in Chicago und ist nebenbei auch einer der spektakulärsten Spieler auf dem Feld.

Breakdown Player: RF Bryan Reynolds, Pittsburgh Pirates

Die Buccos sind wirklich nicht gesegnet mit talentierten Offensivspielern, wenn dann auch noch einer der wenigen guten davon ein richtiges Katastrophenjahr hat, ist der Schaden umso höher. Und wenn das dann auch noch der Spieler ist, den diese äußerst sparsame Franchise für 8 Jahre und $106m verlängert hat, kann man sich das Schwitzen auf der Stirn von GM Ben Cherington bildlich vorstellen.

MVP: SP Paul Skenes, Pittsburgh Pirates

Pete Crow-Armstrong ist schon der Breakout Spieler in dieser Division, also muss es jemand anderes als PCA sein. Und auch wenn die Piraten ein trauriges Dasein am Ende der Division führen, so liegt dies gewiss nicht an Paul Skenes, der in seinem zweiten Profijahr zum zweiten Mal der Starting Pitcher des Allstar Games ist. Schade, dass wir ihn in naher Zukunft nicht in den Playoffs sehen werden

Outlook: Ich denke die Cubs werden diese Division am Ende relativ klar gewinnen. Dahinter haben sich die Brewers in eine gute Ausgangslage für die Wild Card gebracht. Die Cardinals werden noch von den Reds überholt, beide Teams verpassen am Ende die Postseason.


NL WEST

Überraschung: Eine richtig starke erste Saisonhälfte inklusive Trade für Rafael Devers macht diese Wahl relativ einfach: Die San Francisco Giants sind voll im Rennen um die Playoffs. Das liegt aber sicher auch an der Enttäuschung…

Enttäuschung: denn das sind die Arizona Diamondbacks, denen ich dieses Jahr den Durchbruch zum legitimen Contender zugetraut hätte. Stattdessen verabschiedete sich Neuverpflichtung Corbin Burnes mit Tommy John Surgery für die Saison, ein Verlust den die Rotation bisher nicht auffangen konnte. Immerhin kriegt man etwas geboten bei den DBacks, kaum ein Team bietet derartig viel Unterhaltungspotential, sei es aufgrund großer Comebacks oder noch größerer Meltdowns.

Breakout Player: CF Andy Pages, Los Angeles Dodgers

Die Dodgers wären nicht die erfolgreichste Franchise der letzten 10 Jahre, wenn sie neben ihrer finanziellen Macht nicht auch eine verdammt gute Talentschmiede wären. Schaut man sich dieses Jahr eine Spielzusammenfassung der Dodgers an, sind es seltener die alten Veteranen wie Mookie Betts oder Freddie Freeman, die zu sehen sind. Stattdessen ist es immer wieder Andy Pages, der die entscheidenden Aktionen zum Sieg beisteuert und damit ein ansonsten sehr großes Loch im LA Outfield stopft.

Breakdown Player: SS Mookie Betts, Los Angeles Dodgers

Mookie ist dieses Jahr kein AllStar. Das letzte Mal, als das passierte, befanden wir uns im Jahr 2015 (Corona-Saison ausgenommen). Das liegt zum einen daran, dass er dieses Jahr aus dem Right Field zum Vollzeit Shortstop umfunktioniert wurde. Das liegt auch daran, dass sein offensiver Output dieses Jahr extrem zurückgegangen ist, in vielen Kategorien stehen deutliche Karriere Negativwerte zu Buche. Das wiederrum kann auch mit einem Virus zusammenhängen, den er sich kurz vor Saisonstart holte und daraufhin über 10 Kilogramm Körpergewicht verlor.

MVP: C Will Smith, Los Angeles Dodgers

Bild: Jeff Warrington

Dreimal Dodgers, das ist vielleicht langweilig, aber diese Division bietet nicht die ganz großen Ausschläge nach Oben oder Unten um sich zwangsweise für andere Spieler zu entscheiden. Natürlich legt auch Ohtani wieder überragende Zahlen auf und führt die National League mit 32 Homeruns an. In der zweiten Saisonhälfte wird er auch wieder vermehrt pitchen und dann ist ihm dieser Titel wieder einmal nicht zu nehmen, aber für den Moment gehört Will Smith das Spotlight. Sein .323 Batting Average und .425 On Base Percentage sind Bestwert in der National League und kommen sehr überraschend. Smith war seine gesamte Karriere über ein guter Schlagmann, aber stets „nur“ als Anführer der zweiten Reihe hinter den Starspielern in Los Angeles. Dieses Jahr ist er einer der entscheidenden Faktoren für den Erfolg der Dodgers, weil er bessere Schwungentscheidungen trifft, dadurch mehr Walks zieht und die Bälle nach denen er schwingt besser trifft.

Outlook: Den Vorsprung von „nur“ 5.5 Spielen der Dodgers hätte ich zu diesem Zeitpunkt der Saison größer eingeschätzt, aber sowohl San Francisco, als auch San Diego spielen starken Baseball. Dennoch sollte LA diese Division problemlos gewinnen. Dahinter kann man davon ausgehen, dass die Giants an der Trade Deadline All-In gehen werden – ich habe dennoch bei den Padres ein besseres Gefühl und tippe, dass San Diego als einziges Team in dieser Division per Wildcard die Playoffs erreicht. Achja, auch die Rockies spielen noch um Titel: Im Rennen um die Auszeichnung als schlechteste Mannschaft der modernen Ära sind sie noch voll dabei.

American League – 1st Half Recap

Bild: Daniel Hartwig

AL EAST

Überraschung: Ausgerechnet die Toronto Blue Jays führen die Division an, ein Team bei dem ich fest davon ausging, dass sie zu diesem Zeitpunkt nichts mehr mit dem Division Sieg am Hut haben und sich schlussendlich von Vlad Guerrero Jr. trennen würden. Wie man sieht, kam es anders. Vladdy verlängerte in Toronto und mit einer 10 Game Winning Streak kurz vor dem AllStar-Break stehen die Jays überraschend an der Spitze der AL East.

Enttäuschung: Ganz klar die Baltimore Orioles. Es ist genau das eingetreten, was zu befürchten war, als man Corbin Burnes in der Free Agency verlor und hektisch versuchte, dieses große Loch mit viel zu kleinen Flicken zu nähen. Die Rotation ist quasi nicht vorhanden, hinzu kommen durchgehend schwache Saisons von so gut wie allen Spielern im Diamond. Auch die Entlassung von Manager Brandon Hyde konnte das Ruder bisher nicht herumreißen.

Breakout Player: 1B Jonathan Aranda, Tampa Bay Rays

Ist mit 27 Jahren das erste Mal zum AllStar gewählt worden, weil er Top 3 in Batting Average ist (.324) und die Rays in OPS+ anführt (151)

Breakdown Player: SP Walker Buehler, Boston Red Sox

Letzte Saison führte er die Dodgers mit seinem Auftritt als Closer in Spiel 5 zum World Series Titel. Das reichte den Red Sox, um ihn trotz großer verletzungsbedingter Fragezeichen einen Vertrag über ein Jahr und $21m anzubieten. Eigentlich sollte er ein wichtiges Puzzleteil für den Championship Push werden, bisher ist er aber mit einem ERA von 6.12 einer der schlechtesten Starting Pitcher, nicht nur innerhalb der Division sondern in der gesamten Liga.

MVP: CF Aaron Judge, New York Yankees

Bild: All-Pro Reels

Natürlich muss man hier Aaron Judge nennen, der wieder einmal eine historische Saison auflegt. Ein .355 Batting Average, ein OPS+ von 228 und ein Wins Above Replacement Rating von 7.0 vor dem AllStar-Break sind absurd und natürlich Bestwerte in der MLB. Seine 35 Homeruns und 81 RBI werden nur von Cal Raleigh überboten. Kann er in der zweiten Saisonhälfte diese Pace beibehalten, stehen am Ende in so gut wie jeder statistischen Kategorie Karrierebestwerte.

Outlook: Eine extrem spannende Division, in der ich mir vorstellen könnte, dass selbst die Orioles nochmal einen ordentlichen Push machen können (je nachdem, wie viel sie an der Deadline verkaufen werden). Dem Blue Jays Braten traue ich auf Dauer noch nicht, ich denke am Ende werden die Yankees die Division vor den Red Sox gewinnen. Boston geht zusammen mit Toronto in die Wild Card.


AL CENTRAL

Überraschung: Die Detroit Tigers sind zum AllStar-Break das beste Team in der MLB. Nachdem man letztes Jahr an der Deadline verkaufte und dann überraschend doch noch in die Wild Card rutschte und dort mit einem Sieg über die Astros auf sich aufmerksam machte, setzt sich der Aufwärtstrend dieses Jahr fort. Dabei bleibt man sich seinem Motto treu, auf Superstars zu verzichten und die Last in der Offensive auf mehrere Schultern zu verteilen. So durften mit Gleyber Torres, Zach McKinstry, Riley Greene und Javy Baez gleich vier Spieler zum Allstar Game. Apropos Javy Baez, der hat die Freude am Spielen wiedergefunden. Die letzten Jahre galt sein Vertrag in Detroit als Albatross, Baez war einer der schwächsten Spieler in der gesamten Liga. Eine Umstellung von Shortstop auf Centerfield hat ihm die Freude am Sport wiedergebracht und das spiegelt sich deutlich in seinen Zahlen wieder, sowohl in den Statistiken, als auch im Public AllStar Vote der Fans.

Enttäuschung: Der ganze Rest der Division irgendwie. Wenn man sieht, dass die AL Central letztes Jahr drei Teams in den Playoffs stellte und bis auf die White Sox alle Mannschaften einen positiven Record hatten, machen alle Teams eher einen Schritt zurück als nach Vorne. Detroit wird dieses Jahr wohl der einzige Playoffteilnehmer aus der AL Central bleiben.

Breakout Player: 1B Spencer Torkelson, Detroit Tigers

Seitdem er 2020 an der ersten Stelle gedrafted wurde, sagte man „Tork“ ein riesiges Potential voraus. Umso frustrierender gestalteten sich seine ersten Jahre in der Major League. Ursprünglich als Third Baseman gestartet, zeigte sich relativ schnell, dass seine Zukunft nur auf der ersten Base liegt. Dafür muss man wiederum am Schlag besonders hervorstechen, um seinem Team einen wirklichen Mehrwert zu geben. Das gelang ihm nur phasenweise. Nach einer schwachen Saison 2024 schien das Experiment zu scheitern, doch mit 25 ist ihm die Kurve dieses Jahr doch noch gelungen. Mit 21 Homeruns, einem besseren Auge am Schlag und einem OPS+ von 129 ist einer der Gründe, weshalb es bei Detroit so gut läuft.

Breakdown Player: CF Luis Robert Jr., Chicago White Sox

Vor zwei Jahren war Robert noch ein AllStar, Silver Slugger und MVP Anwärter. Mit dem Untergang der White Sox begann auch seine Abwärtsspirale. Er sollte der letzte große Trade Chip an der Southside sein, jemand für den man nochmal eine handvoll starker Prospects einsammeln könnte. Nach dieser Hinserie allerdings werden die White Sox nur noch einen feuchten Händedruck als Gegenwert erhalten – wenn überhaupt. Sein Batting Average liegt bei .190, seine 9 Homeruns sind weit entfernt von den 38 aus der Saison 2023. Natürlich besteht bei den Teams die Hoffnung, ihn in neuer Umgebung wieder zu altem Glanz zu verschaffen, aber sein Tradewert liegt erstmal im Keller.

MVP: SP Tarik Skubal, Detroit Tigers

Bild: Sewageboy

Die Tigers sind das Team der Stunde und das liegt neben der breiten Offensive vor allem auch an Skubal, der auf seine letztjährige Cy-Young Saison nochmal einen draufgelegt hat. Er ist unangefochten der beste Pitcher den die MLB zurzeit zu bieten hat und ich freue mich schon, sein Temperament in der Postseason zu sehen.

Outlook: Diese Division scheint entschieden. Den Royals und Guardians fehlt es wie am Saisonanfang zu erwarten war an Offensive, die Twins sind der personifizierte Durchschnitt. Immerhin fehlen den White Sox nur noch 10 Siege, um ihre Bilanz aus dem Vorjahr zu verbessern.


AL WEST

Überraschung: Es ist vielleicht nur ein schwacher Trost wenn man auf Platz 4 der Division steht und keine Chance auf die Playoffs hat, aber: Dass die Los Angeles Angels fast bei .500 stehen, hätte ich so nicht erwartet. Die Free Agent Verpflichtung von Starter Yusei Kikuchi macht sich bisher bezahlt, dazu spielt der junge Shortstop Zach Neto eine bisher hervorragende Saison.

Enttäuschung: Die Texas Rangers waren für mich der Favorit in dieser Division und ein World Series Contender. Obwohl sie die wenigsten Runs in der MLB kassieren und Jacob deGrom (2.32 ERA) sowie Nathan Eovaldi (1.58 ERA) dominieren, bleiben Sie in der Offensive blass, auch weil die Neuverpflichtungen Joc Pederson und Jake Burger bisher noch gar nicht zünden.

Breakout Player: SS Jacob Wilson, Athletics

Auch wenn die A’s standesgemäß den letzten Platz belegen, so haben sie zurzeit einen der besten, wenn nicht sogar den besten Kern an jungen Spielern in ihrem Major League Team. Einer davon ist Jacob Wilson, der in seiner ersten vollen Saison nicht nur verdienter AllStar geworden ist, sondern auch klarer Favorit auf den Rookie des Jahres ist. Er zeigt eine bemerkenswerte Disziplin am Schlag, geht so gut wie nie Strikeout und ist ein König des Kontakts. Sein Batting Average beträgt .332, keiner kommt häufiger auf Base bei den Athletics als er. Dieses Spielerprofil wurde ihm zwar schon in den Minor Leagues vorhergesagt, aber überraschenderweise kommt dieses Jahr auch die ausreichende Power hinzu, um ihn wertvoll zu machen. Klar, er wird nie ein Power Slugger werden, aber er trifft die Bälle hart und 9 Homeruns sowie 17 Doubles in einer halben Saison sind gut genug, um aus einem One Tool Player einen wirklich wertvollen Spieler für ein aufstrebendes A’s Team zu machen. Sein Batspeed ist dabei am unteren Ende der Skala zu finden, aber dafür schafft er es wie kaum ein Zweiter, Bälle genau auf dem Sweet Spot des Schlägers zu treffen.

Breakdown Player: 1B Christian Walker, Houston Astros

Nach mehreren starken Jahren bei den Diamondbacks verpflichteten die Astros Walker in der Offseason für 3 Jahre und $60m. Bisher hat sich diese Investition noch gar nicht gelohnt. Sein OPS+ liegt bei für 1st Baseman unterirdischen 83, seine überragende Defense vergaß er scheinbar in Arizona. Umso spannender wird es sein, falls er die Kurve bekommt und dieses ohnehin starke Astros Team einen weiteren Leistungsträger dazu bekommt.

MVP: C Cal Raleigh, Seattle Mariners

Wenn es einen Spieler gibt, der mit Aaron Judge im MVP Rennen mithalten kann, dann ist es Cal Raleigh. Zwar ist sein Batting Average um fast 100 Punkte schlechter, aber wen interessiert das schon, wenn man mit 38 Homeruns und 82 RBI die Liga anführt und dazu noch mit guter Defense auf einer wichtigen Position überzeugt?

Outlook: 8.5 Siege Vorsprung sind ein Brett, aber ich habe die Rangers noch nicht aufgegeben. Mit guten Trades an der Deadline können Sie diese Saison noch retten und in das Playoff Rennen eingreifen. Eovaldi und deGrom in den Playoffs wären ein Traum. Die Astros sind stärker als erwartet, aber man muss bei ihnen fast davon ausgehen, dass sie diese Leistung auch bis zum Ende durchbringen. Bei Seattle ist dieses Jahr tatsächlich mal nicht die Offensive Schuld, sondern das im Vergleich zum Vorjahr schwächere Pitching. Ich denke Houston wird die Division gewinnen, die Rangers kommen in die Wild Card, Seattle guckt am Ende in die Röhre. Los Angeles wird mit den Playoffs nichts zu tun haben und sich eher den A’s als den Rangers annähern.

MLB Draft 2025

Bild: SounderBruce

Ich wollte dieses Jahr echt regelmäßige Updates aus der Liga posten, aber zurzeit ist einfach extrem viel bei mir los.

Angesichts des nun anstehenden All-Star Breaks gibt es nun doch ein kleines Review über die erste Saisonhälfte und die erste Runde des Drafts vom Wochenende. Genau genommen sind schon knapp 60% der Spiele gespielt und in etwas mehr als zwei Wochen ist die Trade Deadline.

Draft Lottery

Die großen Gewinner der Draft Lottery waren die Seattle Mariners, die letztes Jahr mit 85-77 nur um einen Sieg die Playoffs verpassten, dieses Jahr aber trotzdem an Nr. 3 picken durften. Der Nr. 1 Overall Pick ging an die Washington Nationals, an zweiter Position durften die LA Angels picken. Trotz des zweitschlechtesten Records landeten die Colorado Rockies nur an Position 4. Die Mets, Dodgers und Yankees überschritten in der Vorsaison den zulässigen Wert für die Luxussteuer und hatten daher keinen Pick in der ersten Runde.

Die Draftorder:
1 Washington Nationals
2 Los Angeles Angels
3 Seattle Mariners
4 Colorado Rockies
5 St. Louis Cardinals
6 Pittsburgh Pirates
7 Miami Marlins
8 Toronto Blue Jays
9 Cincinnati Reds
10 Chicago White Sox
11 Athletics
12 Texas Rangers
13 San Francisco Giants
14 Tampa Bay Rays
15 Boston Red Sox
16 Minnesota Twins
17 Chicago Cubs
18 Arizona Diamondbacks
19 Baltimore Orioles
20 Milwaukee Brewers
21 Houston Astros
22 Atlanta Braves
23 Kansas City Royals
24 Detroit Tigers
25 San Diego Padres
26 Philadelphia Phillies
27 Cleveland Guardians

Vor dem Draft galt Kade Anderson als sehr wahrscheinlicher Nr.1 Pick. Der Linkshänder führte die LSU Tigers zur College World Series und ist sehr weit entwickelt. Das wäre ein perfekter Fit für die Nationals an 1 gewesen, die dringen Verstärkung im Pitching Department benötigen.

Statt Anderson entschieden sich die Nationals aber für Eli Willits, ein 17-jähriger Shortstop, der noch einen langen Weg in die Majors haben wird. Das wiederum machte den Weg frei für die LA Angels, die einen Starting Pitcher draften wollten… Und sich stattdessen für Tyler Bremner entschieden, einen Rechtshänder den keiner auf der Rechnung hatte und dessen Stock in dieser College Saison eher abgestürzt als gestiegen ist.

Die Seattle Mariners waren der lachende Dritte und staubten Kade Anderson ab. Gut möglich, dass dieser schon nächstes Jahr die solide Rotation der Mariners weiter verstärkt. Und auch die Colorado Rockies durften sich freuen, denn diese bekamen mit Shortstop Ethan Holliday das beste Prospect des Drafts in den Schoß gelegt. Der Bruder von Jackson Holliday und Sohn von Matt Holliday kommt aus der High School, hat also noch einen langen Weg vor sich, gilt aber als talentiertester Shortstop einer generell sehr starken Klasse auf dieser Positionsgruppe (14 Shortstops wurden mit den ersten 27 Picks gedraftet – viele davon werden am Ende aber sicher auch auf 3B oder 2B enden).

Spannend waren noch die Baltimore Orioles, die neben ihrem eigenen Pick an Nr. 19 auch die Wahlrechte für 30, 31 und 37 hielten, weil sie in der Free Agency Corbin Burnes und Anthony Santander verloren und zusätzlich noch den Pick der Tampa Bay Rays ertradeten (Kompensationspicks für verlorene Spieler sind die einzigen Picks, die in der MLB getradet werden dürfen). Mit diesen Picks wählten sie einen Outfielder (Ike Irish), das beste Catcher Prospect in diesem Jahr (Caden Bodine) sowie einen Shortstop vom College (Wehiwa Aloy) und zusätzlich einen Outfielder von der High School mit viel Upside (Slater de Brun). Ob Sie wirklich nach Talent ausgewählt haben oder doch nur nach coolen Namen ist nicht bekannt, aber insgesamt ist das eine sehr spannende Draft Class.