Der erste Monat ist vollbracht und damit sind schon mehr als ein Fünftel der Saison absolviert. Heruntergebrochen auf eine normale Fußball Bundesligasaison befinden wir uns also gerade vor dem 8. Spieltag. Gewinnen kann man da natürlich noch nichts, verlieren aber schon eine ganze Menge. Schauen wir mal auf die Gewinner und Verlierer des Saisonstarts und die Spieler, die den Monat April geprägt haben.


Gewinner
New York Yankees (22-11, Platz 1 in der AL East)

Von der hochgehandelten AL East ist nach dem ersten Monat noch nicht viel zu sehen. Drei der fünf Teams stehen unter .500 und mit den Rays steht ausgerechnet das nominell schwächste Team mit 20-12 auf Platz 2. Das haben die Yankees genutzt und bereits einen beträchtlichen Vorsprung in den Standings herausgespielt. Mit +57 führt man die gesamte American League in der Rundifferenz an (zweitbestes Team ist Detroit mit +12), 53 Homeruns sind die meisten in der MLB und ein Team ERA von 3.01 ist ligaweit Spitze. Verantwortlich dafür ist vor allem Cam Schlittler, der sein angedeutetes Potential aus seiner Rookie-Saison bisher mehr als bestätigen kann und mit einem ERA von 1.51 derzeit auf Platz 2 liegt. Max Fried (2.09 ERA), Will Warren (2.39 ERA) und Ryan Weathers (3.31 ERA) ergänzen die dominante Rotation, die bald auch noch von Gerrit Cole verstärkt wird. Offensiv sticht neben Aaron Judge vor allem Ben Rice hervor, der mit einem OPS von 1.164 die gesamte Liga anführt. Mit diesem Start sind die Yankees in der Pole Position um den Division Lead, zumal alle anderen Teams mit Schwächen und Verletzungen zu kämpfen haben.
Athletics (17-16, Platz 1 in der AL West)

Meine Einschätzung zu den Athletics als Wild Card Kandidat waren optimistisch, aber bisher sind die A’s auch aufgrund schwächelnder Konkurrenz voll im Rennen. Das liegt mit Sicherheit nicht am Pitching, bei dem noch massiv Luft nach Oben ist. Dafür haben sich im Feld aber einige neue Leistungsträger herauskristallisiert. Catcher Shea Langeliers spielt bisher eine Saison auf AllStar Niveau, seine 45 Hits (gepaart mit 10 Homeruns) sind ligaweit Spitze. Neuzugang Jeff McNeil von den Mets ist eine Verstärkung für das Lineup und mit Carlos Cortes haben die Athletics den zurzeit heißesten Overperformer in ihrem Kader. Der 28-jährige hatte vor dieser Saison gerade mal 42 Major League Spiel in seiner Vita stehen, nach 26 Spielen in diesem Jahr steht er bei einem OPS+ von 200 und seine Baseball Savant Seite brennt lichterloh.

Besonders kurios: Cortes ist der erste und einzige Switch Fielder den es gibt: Spielt er im Outfield, benutzt er seinen linken Arm zum Werfen, spielt er im Infield, so wechselt er auf seinen rechten Arm.
Dazu kommt mit First Baseman Nick Kurtz ein Spieler, der diese Saison in 20 Spielen in Folge einen Walk ziehen konnte, eine Serie die ihm Platz 2 in der All-Time Rangliste neben Barry Bonds einbrachte. Man stelle sich nur vor, was dieses Team mit einem Mason Miller und weiterer Verstärkung im Starting Pitching leisten könnte. Die A’s haben vom schwachen Start der Astros und Mariners profitiert, aber dieses Team macht einfach Spaß und ich hoffe Sie können dieses Jahr bis zum Schluss um die Playoffs mitspielen.
Atlanta Braves (24-10, Platz 1 in der NL East)

Die Braves haben trotz der letzten zwei Jahren in denen man massiv unterperformte immer noch einen Kader, der gut genug für die Playoffs ist. Daher ist es nicht überraschend, dass sie die NL East anführen. Dass sie aber gleichzeitig mit einem Record von 24-10 das beste Team in der gesamten MLB sind, hatte wohl kaum einer auf dem Schirm. Das Lineup ist on Fire, das Starting Pitching liefert trotz einiger Fragezeichen ab und auch der Bullpen ist zuverlässig. Auf die beiden größten Rivalen Philadelphia und New York hat man bereits 10.5 bzw. 12.5 Siege Vorsprung.
Die NL Central
Wenn man den Pittsburgh Pirates Fans vor der Saison gesagt hätte, dass sie nach 34 Spieltagen bei 18-16 stehen, hätten sie wahrscheinlich unterschrieben. Wenn man ihnen dann erzählt hätte, dass sie mit dieser Bilanz auf dem letzten Platz in der Division stehen, wäre ungläubiges Kopfschütteln die Folge gewesen. Die Cubs sind zuhause quasi unschlagbar, die Reds sind 12-0 in Spielen mit 1 bzw. 2 Run Differenz und die Cardinals übertreffen zurzeit alle Erwartungen. Dazu ein solider Start der Brewers und Pirates und fertig ist die derzeit beste Division in der MLB. Ich gehe davon aus, dass die Cardinals und Reds merklich abkühlen werden, aber zurzeit ist noch völlig offen, wer diese Division gewinnen wird.
Verlierer
Boston Red Sox (13-20, Platz 5 in der AL East)

Die hohen Erwartungen an dieses Team konnten bisher noch nicht erfüllt werden, weshalb Manager Alex Cora und sein Coaching Staff entlassen wurden. Eine unschöne Schlammschlacht zwischen Spielern, Manager und General Management folgte, bei dem vor allem Executive Craig Breslow aus dem eigenen Lager einstecken musste. Noch ist es nicht zu spät das sinkende Schiff zu retten, gerade weil der letzte Wild Card Platz in der schwachen American League nur 3 Siege entfernt ist. Der Saisonstart hingegen wurde ordentlich in den Sand gesetzt
Houston Astros (13-21, Platz 4/5 in der AL West)

Beim langjährigen Playoffteilnehmer aus Texas läuft bisher noch so gar nichts zusammen. Das liegt vor allem am Pitching, welches ligaweit die schlechtesten Zahlen ausweist. Grund dafür ist neben dem Ausfall von Ace Hunter Brown auch die Verletzungen von Cristian Javier und Neuzugang Tatsuya Imai. Und so haben die Astros mit Yordan Alvarez (207 OPS+) zwar ein Monster im Lineup, aber niemanden, der Runs verhindern kann. Die Athletics auf Platz 1 sind zwar nur 4.5 Siege entfernt, aber der Trend bei Houston zeigt nach unten.
Philadelphia Phillies (13-20, Platz 4 in der NL East)

Das zweite Team neben den Red Sox, welches bereits den Manager gefeuert hat, sind die Phillies. Verantwortlich für den schlimmen Saisonstart war allem das schwache Starting Pitching von Spielern wie Jesus Luzardo, Aaron Nola oder Taijuan Walker. Mit mehr Spielzeit sollten sich die Zahlen aber stabilisieren und mit Zack Wheeler ist der konstanteste Starter der letzten 10 Jahre nach langer Verletzungspause wieder zurück. Das Lineup blieb ebenfalls zum Saisonstart kalt, der Formpfeil zeigt aber nach Oben und ich gehe davon aus, dass man zum Ende der Saison noch in das Playoff Rennen eingreifen wird können. Die Frage ist, ob die Hypothek zu diesem Zeitpunkt dann schon zu groß ist – wie schon eingangs erwähnt kann man nach 33 Spielen noch nichts gewinnen, aber einiges verlieren.
New York Mets (11-22, Platz 5 in der NL East)

Noch schlimmer als in Philadelphia sieht es beim Division Rivalen aus New York aus. Was hier passiert, macht mich sprachlos. Dabei ist das Problemkind Starting Rotation dieses Jahr ausnahmsweise nicht der Grund für die Implosion. Mit Nolan McLean, Freddy Peralta und Clay Holmes stehen zumindest an 3 Tagen Starter auf dem Hügel, die dir eine gute Chance auf einen Sieg geben. Das bringt aber alles nichts, wenn das komplette Lineup eiskalt ist und dazu auch noch zeitweise Verletzungen von Schlüsselspielern wie Juan Soto, Francisco Lindor, Luis Robert Jr. oder Jorge Polanco dazukommen. Geben wir dann noch einen Bullpen dazu, der in engen Spielen regelmäßig versagt, haben wir das Desaster der New York Mets 2026. Gefeuert wurde Manager Carlos Mendoza noch nicht, aber eigentlich kann es nicht mehr lange dauern. Gelingt nicht der sofortige Turnaround, spielen die Mets bereits im Juli um nichts mehr.
Players of Note
Mason Miller (Closer, San Diego Padres)

34 2/3 Innings. So lange dauerte es, bis Mason Miller mal wieder einen Run kassierte. Das ist die achtlängste Serie ohne kassierten Run seit 1961 und ein neuer Franchise Record für die San Diego Padres. Gebrochen wurde dieser Rekord übrigens nur aufgrund eines falschen Calls, als ein Umpire diesen Ball als „fair“ und nicht „foul“ einschätzte.

Miller ist zurzeit der beste Pitcher den es auf der Welt gibt. Wenn er im 9. Inning eingewechselt wird, ist das Spiel vorbei. Seine Savant-Seite ist einfach nur absurd.

Auch dank ihm stehen die Padres bei einer starken 19-13 Bilanz. Kommen Sie mit einer Führung aus dem 8. Inning, ist das Spiel gewonnen.
Mike Trout (Center Field, LA Angels)

Ich bin ehrlich, in meinen Augen war Mike Trout done. Die letzten Jahre waren geprägt von Verletzungen und auch wenn seine Zahlen am Ende immer noch mehr als solide waren, so sind sie nicht mehr ansatzweise mit seiner Prime zwischen 2012 und 2022 vergleichbar gewesen. Der Start in das Jahr 2026 hingegen zeigt, dass er vielleicht doch noch ein paar Tropfen im Tank hat. 10 Homeruns, ein OPS + von 176 (zuletzt 2022) und eine On Base Percentage von .431 (zuletzt 2021) sind willkommene Statistiken in einem leider einmal mehr vergessenswerten LA Angels Team.
Munetaka Murakami (First Base, Chicago White Sox)

Nicht Mike Trout. Nicht Aaron Judge. Nicht Yordan Alvarez. Nicht Matt Olson oder Kyle Schwarber führen die MLB in Homeruns an, nein. Es ist Munetaka Murakami, der Free Agent aus Japan, den 29 General Manager im Sommer nicht mit der Grillzange anfassen wollten. Nach 33 Spielen muss man festhalten: Die White Sox haben einen Star geholt. Der „Southside Samurai“ verkauft mehr Trikots als alle anderen Spieler im Team zusammen und schlug bisher 13 Homeruns. Die Strikeouts? Ja, die sind auch da (48, Platz 5 in der Liga). Aber gleichzeitig hat er auch ein unfassbar gutes Auge und ist ebenfalls Top 6 in Walks. Er ist die Verkörperung des True Three Outcome Spielers: Strikeout, Homer oder Walk, dazwischen gibt es nichts. Von seinen 27 Hits waren knapp die Hälfte Homeruns, davon aber kein einziges Double oder Triple. Bisher straft Murakami seine Kritiker also Lügen, mal sehen ob die Liga ihn im Verlaufe der Saison noch entschlüsseln kann.
Jordan Walker (Right Field, St. Louis Cardinals)

Eine Geschichte wie die von Jordan Walker sieht man äußerst selten. Bereits vor vier Jahren wurde er von den Cardinals in die Major League hochgezogen, damals als absolutes Ausnahmetalent angepriesen. Doch es folgte: Nichts… Walker spielte drei Saisons zwischen Triple A und Major League, sammelte über die Zeit negative (!) 2.6 WAR und schien ein „Bust“, wie er im Buche steht. Es grenzt fast schon an ein Wunder, dass die Cardinals an ihm festhielten und er seine Karriere überhaupt noch fortsetzen konnte. Und dieses Jahr, in seinem insgesamt vierten Profijahr, scheint es Klick gemacht zu haben. Nach 32 Spielen steht er bei 10 Homeruns, in den 162 Spielen 2024 und 2025 gelangen ihm zusammengerechnet 11. Sein Savant-Profil von letzter Saison zu dieser Saison ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Mit 2.2 WAR führt er die Liga an und er ist ein Hauptgrund, weshalb die Cardinals überraschend stark in die Saison starteten und zurzeit bei 20-13 stehen. Ich hatte ihn ehrlich gesagt schon längst abgeschrieben, aber er scheint doch noch die Kurve zu dem MVP-Kandidaten zu kriegen, die ihm Scouts damals prognostizierten.
Abschließend noch ein paar Worte zu den zwei Teams, die ich bisher am intensivsten verfolge:

Die Chicago White Sox spielen .500er Ball und ganz ehrlich? Ich glaube die könnten die Kurve schneller kriegen, als man denkt. Murakami hat, sollte man ihn nicht traden, zumindest noch bis nächstes Jahr Vertrag. Mit Noah Schultz hat man ein Top Pitching Prospect hochgezogen, der in seinen ersten Starts das hält, was man sich von ihm verspricht (ein Randy Johnson Klon). Mit Colson Montgomery besitzt man einen potentiellen MVP Kandidaten, über den noch kein Mensch spricht, weil er in Chicago so unter dem Radar läuft. Seitdem er letztes Jahr sein Debüt gab, liegt er unter den Shortstops ligaweit auf folgendem Rang: Homeruns (1.), RBI (1.), Slugging (1.), OPS (5.), wRC+ (5.), WAR (3.). Auch defensiv zählt er laut den Advanced Metrics zu den absolut besten Shortstops der Liga. Mit Sam Antonacci (LF/2B) und Chase Meidroth (2B) hat man zwei unterhaltsame Rookies im Lineup, die so aussehen, als ob sie solide Contributor in der Zukunft werden können. Mit Kyle Teel steht zudem ein sehr talentierter Catcher bereit, der zurzeit noch verletzt ist, in seinem Rookie Jahr 2025 aber mit starken Leistungen glänzen konnte.
Wenn in der Offseason 2027 investiert wird, kann hier nächstes Jahr schon ein Playoff Contender entstehen.

Die Pittsburgh Pirates haben sich in der Offseason gut verstärkt. Brandon Lowe und Ryan O’Hearn führen dieses Team offensiv an, dazu zeigt Nick Gonzales sehr gute At-Bats und auch der hochgepriesene Rookie Shortstop Konnor Griffin kommt langsam in Fahrt. Verrückterweise ist ausgerechnet die Rotation der Grund, weshalb die Pirates zurzeit „nur“ bei 18-16 stehen. Paul Skenes hat immer mal wieder Aussetzer und Bubba Chandler kämpft mit seiner Kontrolle, seine 20 Walks führen die Liga an. Zwar ist die Leistung insgesamt immer noch sehr solide, aber bis auf Mitch Keller schafft es keiner der Jungs, auch mal länger ins Spiel zu pitchen. Dadurch wird der Bullpen extrem strapaziert. 138.1 Innings Pitched sind meisten für ein Team mit Winning Record. Gerade zu Beginn der Saison verlor man so einige Spiele. Ansonsten ist die Run Differenz mit +30 aber positiv, der sich daraus ergebende Pythagorean Record ist mit 20-14 Top 5 hinter den Dodgers, Braves, Yankees und Brewers. Kurz gesagt: Die Leistung war sehr gut, die Ergebnisse hinken noch etwas hinterher. Die sehr starke NL Central macht natürlich zusätzlich zu schaffen, aber bisher kann man mit dem Saisonverlauf zufrieden sein.