#6 Cincinnati Reds (83-79) vs. #3 Los Angeles Dodgers (93-69)

Was bisher geschah: Es ist fast schon unglaublich, dass wir nach diesem Winter in der ersten Runde der Playoffs über die Dodgers sprechen. Was hat man sich in Tinseltown nicht für ein übermächtiges Roster gebaut. Vertragsverlängerung mit Teoscar Hernandez, Verpflichtungen von Roki Sasaki und Blake Snell, Tanner Scott oder Kirby Yates, Clayton Kershaw zurück, Kiké Hernández zurück, Alex Vesia zurück und die Liste geht weiter und weiter und weiter. Auf dem Papier hatten die Dodgers eines der stärksten Roster aller Zeiten und dennoch reichte es am Ende „nur“ für 93 Siege, zum dritten Mal im Folge weniger als im Vorjahr. Das liegt neben einer nicht mehr ganz so überragenden Offensive vor allem am Verletzungspech: 40 Pitcher mussten die Dodgers dieses Jahr einsetzen, mit den Spielern aus dem Lazarett hätte man fast eine zweite Mannschaft aufmachen können. Zwar liefen die Dodgers nie Gefahr die Playoffs zu verpassen, dennoch war eine größere Dominanz zu erwarten. Am Ende landete man „nur“ 3 Siege vor den Padres.
In der NL Central flogen die Cincinnati Reds die meiste Zeit der Saison unter dem Radar. Die Cubs und Brewers schrieben die Schlagzeilen und boten streckenweise hochgradig unterhaltsame Spiele, während man in Ohio stets unaufgeregt einen .500er Ball spielte. Eine 7-3 Bilanz aus den letzten 10 Spielen reichte dank der strauchelnden Mets aber, um sich von 76-76 auf 83-79 und damit auf den letzten Wild Card Platz zu arbeiten. Die Ironie dabei: 2024 waren sie die „fancy newcomer“, die den nächsten Schritt in Richtung Playoffs machen sollten. Damals enttäuschten die Reds. Dieses Jahr ist es ruhiger um die Big Red Machine geworden. Wenn man es anders ausdrücken möchte: Sie sind seriöser geworden.
Was erwartet uns: Das auf dem Papier am wenigsten spannende Matchup der ersten Runde: Der amtierende Meister gegen einen Playoff „Neuling“. Nimmt man die stark verkürzte Corona Saison 2020 raus, warten die Fans in Cincinnati seit 2013 auf Playoff Baseball im Great American Ballpark. Freuen kann man sich über den ersten Auftritt in den Playoffs von Elly de la Cruz, zudem kehrt mit Terry Francona eine Manager Legende mit Championship Erfahrung zurück in die Postseason. Auf der anderen Seite spielt mit Shohei Ohtani nicht nur der designierte MVP in dieser Serie mit, wahrscheinlich werden wir ihn auch wieder als Pitcher auf dem Mound sehen. Zurzeit wäre er für ein potentielles drittes Spiel als Starter vorgesehen.
Stärken und Schwächen: Auch wenn die Dodgers über die Saison gesehen verwundbar waren und vor allem der Bullpen große Sorgen bereitete, zeigte der Pfeil in den letzten Tagen wieder deutlich nach Oben. Mit Yamamoto, Snell und Ohtani steht ein Trio an der Spitze der Rotation, das in dieser Postseason kein Team überbieten kann. Dazu wurde Roki Sasaki wieder rechtzeitig fit, der aus dem Bullpen heraus unterstützen kann, genau wie der junge Emmet Sheehan, der in 15 Starts einen 2.82 ERA auflegen konnte. Clayton Kershaw pitchte am letzten Spieltag der Saison und ist daher erst wieder für eine potentielle Divisional Series im Roster. Im Lineup könnte Will Smith fehlen, der an einem Haarriss in der Hand laboriert. Sollte er ausfallen, fehlt den Dodgers der zweitbeste Schlagmann hinter Ohtani. Auch wenn Teoscar Hernández und Mookie Betts für ihre Verhältnisse keine gute Saison spielten, ist dieses Dodger Lineup dennoch weiterhin stark. Weit stärker jedenfalls, als das Lineup der Reds, die sich mit den Guardians um den Titel als harmloseste Offensive streiten dürfen. Elly de la Cruz ist mit 22 Homeruns der Teamleader, der Dominikaner legte aber nicht die Superstar Saison hin, die man ihm zugetraut hätte. Dahinter wird es schon sehr dünn und meine Begeisterung diesem Team beim Schlagen zuzusehen, hält sich stark in Grenzen. Da ist es immerhin von Vorteil, dass Cincinnati eine exzellente Rotation für eine Serie über drei Spiele vorweisen kann, angeführt vom 25-jährigen Hunter Greene. Sucht man nach starkem Starting Pitching, wird man also am ehesten in dieser Serie fündig. Auch der Bullpen der Reds ist solide, mit Emilio Pagán und Tony Santillan als verlässliche Optionen für das Spielende. Die Reds sollten in der Lage sein, Runs zu verhindern. Die Frage die diese Serie entscheiden wird ist aber, ob sie auch in der Lage sind, Runs zu erzielen.
Urgency Index
Cincinnati Reds: 4/10 – Der letzte Titel ist von 1990. Seitdem stehen nur fünf Playoffteilnahmen zu Buche, bei denen man lediglich zwei Spiele gewinnen konnte. Trotzdem gehen die Reds als totaler Außenseiter in die Playoffs und niemand erwartet einen tiefen Run dieser Mannschaft. Auf dem aktuellen Gerüst, allen voran der Rotation, lässt sich aber aufbauen und mit Verstärkungen in der Offensive kann dieses Team in Zukunft zu einem Contender werden.
Los Angeles Dodgers: 1/10 – 12 der letzten 13 Jahre gewannen die Dodgers ihre Division, diese Serie wird in nächster Zeit nicht aufhören. Auch die nächsten Jahre wird LA jedes Jahr Titelfavorit bleiben.
Mein Tipp: Dodgers in 2
#5 San Diego Padres (90-72) vs. #4 Chicago Cubs (92-70)

Was bisher geschah: Die Chicago Cubs machten die große Schlagzeile in der Offseason, als man Kyle Tucker von den Houston Astros verpflichtete, der nur noch ein Jahr Restvertrag hatte. Tucker sollte ein gutes Team zu einem sehr guten Team machen, fiel aber Mitte der Saison zuerst in einen Slump und landete schließlich auf der IL, von der er erst vor wenigen Tagen wieder aktiviert wurde. Eine weitere Hiobsbotschaft war die Ellenbogenverletzung von Justin Steele, der für das Jahr ausfiel. Das Loch in der Rotation füllte Rookie Cade Horton, der sich als zuverlässigster Starter der Cubs etablierte, wenngleich er ebenfalls für die erste Playoffrunde mit einer Rippenverletzung ausfällt. Chicago spielte konstant soliden Baseball und verbesserte seinen Record im Vergleich zum Vorjahr um 9 Siege, was aufgrund der extrem starken Saison der Brewers aber nur für Platz 2 in der Division reichte.
Die San Diego Padres spielten erneut eine gute Saison und knöpften den Dodgers im August streckenweise sogar die Führung in der NL West ab. General Manager AJ Preller machte seinem Ruf als Draufgänger wieder einmal alle Ehre und tradete an der Deadline für Closer Mason Miller von den Athletics, der noch vier Jahre unter Teamkontrolle steht und mit Leodalis de Vries als #3 Prospect der MLB einen teuren Gegenwert kostete. Rookie Sensation Jackson Merrill verpasste allerdings viele Spiele verletzt und auch in der Rotation wurde aufgrund von Verletzungen und Formschwäche viel gewechselt. Am Ende erreichten die Padres relativ unaufgeregt die Wild Card Runde, den Status als Topfavorit neben den Dodgers aus dem letzten Jahr konnten Sie aber nicht halten.
Was erwartet uns: Ein Duell der beiden besten defensiven Outfielder des Planeten in Pete Crow-Armstrong und Fernando Tatis Jr könnte für einige spektakuläre Highlights sorgen. Zudem fühlt sich diese Paarung von allen Wild Card Matchups am meisten nach einem echten 50/50 Duell zweier wirklich guter Teams an. Auch wenn die Serie ausschließlich im Wrigley Field stattfinden wird, sind beide Teams für ihre treuen Fans und die Atmosphäre im Stadion bekannt, egal wer also weiterkommt: Beide Teams wären eine Bereicherung für die nächste Runde.
Stärken und Schwächen: Wie schon im Saisonverlauf angedeutet, zählt die Rotation bei beiden Teams nicht zu den Stärken. Die Cubs müssen mit Cade Horton auf ihren besten Mann verzichten, Shota Imanaga zeigte nach einem Stint auf der IL zum Abschluss der Saison schwache Leistungen und auch bei Matthew Boyd zeigt der Formpfeil eher nach Unten.
Bei den Padres hat sich überraschenderweise der 32-jährige Nick Pivetta zum Anker der Rotation entwickelt. Er ist der beste Starter in diesem Matchup, dahinter hat San Diego aber mit einigen Fragezeichen zu kämpfen. Da kommt es den Kaliforniern gelegen, dass sie mit Abstand den besten Bullpen aller Teams stellen. Egal ob Mason Miller, Adrian Morejon, Jeremiah Estrada oder Robert Suarez, die Padres haben alle Mittel um nicht nur Führungen, sondern auch ein langes Bullpen Game zu covern.
Der Vorteil im Lineup geht knapp an die Cubs, die mit 223 zu 152 deutlich mehr Homeruns aufweisen können – gleichzeitig aber auch mit vielen unbekannten Variablen zu kämpfen haben. Pete Crow Armstrong war in den letzten Wochen und Monaten trotz seiner insgesamt 31 Homeruns einer der schwächsten Hitter der Major Leagues, Kyle Tucker kommt frisch von der IL und auch Seiya Suzuki hatte trotz seiner 5 Homeruns in der letzten Saisonwoche einen katastrophalen September. Die Padres müssen ihrerseits verletzungsbedingt auf Outfielder Ramón Laureano verzichten und haben keinen Hitter mit mehr als 27 Homeruns im Lineup, trotz schwungvoller Namen wie Tatis, Machado oder Bogaerts.
Trotz dieser eher negativ anmutenden Fakten sollte man sich nicht blenden lassen, das hier sind immer noch zwei offensivstarke Teams mit wenig Löchern im Lineup.
Urgency Index
San Diego Padres: 9/10 – Die Padres konnten die World Series noch nie gewinnen und mussten in jüngerer Vergangenheit trotz großartiger Saisons dramatische Niederlagen in den Playoffs gegen die Phillies und Dodgers einstecken. Anführer Manny Machado ist mit 33 Jahren nicht mehr lange in seiner Prime, die Starting Rotation könnte in der Free Agency auseinander brechen. Der Druck ist da, um den Titel endlich nach San Diego zu holen.
Chicago Cubs: 7/10 – Die Free Agency von Kyle Tucker schwebt wie ein Damoklesschwert über diesem Team. Sollten die Cubbies ihn im Winter verlieren, haben sie zwar weiterhin einen guten Stamm, aber nicht den Superstar, der sie in die Sphären der Spitzenteams führen kann. Ein frühes Ausscheiden wäre angesichts des Hypes zu Beginn der Saison eine große Enttäuschung.
Mein Tipp: Padres in 3