National League – 1st Half Recap

Bild: Ian D’Andrea

NL EAST

Überraschung: Die Fische auf Platz 3? Damit war nicht zu rechnen. GMs und Experten hatten Schwierigkeiten vor der Saison auch nur drei Spieler im Lineup der Marlins zu nennen. 44-51 ist sicher auch kein Record für den man sich auf die Schulter klopfen sollte, aber es ist um Welten besser als das, was vor der Saison zu befürchten war.

Enttäuschung: Für eine Franchise die den nächsten Schritt im Rebuild einläuten wollte stehen die Nationals sehr schlecht da, aber keiner schlägt hier die Atlanta Braves, welche 11 Spiele unter .500 stehen. Das Outfield ist mit Ausnahme von Ronald Acuna Jr. ein Trauerspiel, Spencer Strider noch lange nicht wieder der Alte und Leistungsträger wie Austin Riley oder Ozzie Albies spielen unter ihrem Potential. Etwas Pech war auch dabei: Der Record in 1-Run Games steht bei 13-24 und die Rundifferenz ist sogar leicht im Positiven.

Breakout Player: LF James Wood, Washington Nationals

Bild: Sewageboy

Wood war einer der zahlreichen Spieler, die 2022 im Gegenzug für Juan Soto nach Washington kamen. Mittlerweile kristallisiert sich heraus, dass die Nationals mit diesem Trade alles richtig gemacht haben. In einer von Tristesse geprägten Mannschaft stechen genau drei Spieler heraus: Shortstop CJ Abrams, Starter McKenzie Gore und nun eben auch James Wood – alle drei Spieler kamen im Soto Trade an den Anacostia River. Wood legte in der ersten Halbserie 24 Homeruns auf, zwar auch mit 116 Strikeouts, aber die Nats haben in den 201cm großen Outfielder nach Bryce Harper und Juan Soto ihren nächsten Franchise Player gefunden.

Breakdown Player: SP Sandy Alcantara, Miami Marlins

Alcantara teilt sich das exakt gleiche Schicksal mit Luis Robert Jr. von den White Sox. Als letzter verbliebender Leistungsträgers eines Rebuilding Teams war er eine heiße Aktie für den Trade Markt, aber die Marlins entschieden sich dazu, ihn noch nicht in der Offseason zu traden, sondern mit ihm in die Saison zu gehen. Nach derzeitigem Stand die falsche Entscheidung: Ein Jahr nach einer Tommy John Operation liegt sein ERA bei schwindelerregenden 7.22. Es bleibt abzuwarten, ob die Teams mit Hinblick auf die Deadline für ihn ins Risiko gehen werden.

MVP: SP Zack Wheeler, Philadelphia Phillies

In dieser Division gibt es keinen Clear Cut MVP, aber das beste Teams sind die Phillies und ihr bester Mann auf dem Mound ist wieder einmal Zack Wheeler, der mit seinen 35 Jahren weiter seinen dominanten, unaufgeregten Stiefel herunterspielt. 2.36 ERA, ligabeste 154 Strikeouts, es ist mehr als beeindruckend wie konstant er Jahr für Jahr auch in seinen 30ern abliefert und dabei immer verletzungsfrei bleibt. Noch zwei weitere Jahre auf diesem Niveau und die Hall of Fame klopft an.

Outlook: Die Mets und Phillies werden diese Division unter sich ausmachen, mein Gefühl sagt mir, dass Philadelphia am Ende die Nase vorn haben wird. Atlanta wird sich irgendwo auf .500 vorarbeiten, aber die Playoffs in der starken NL am Ende verpassen. Die Nats überholen die Marlins noch für Platz 4 in der Division.


NL CENTRAL

Überraschung: Die Cardinals hätte ich nicht so gut erwartet, aber die wirkliche Überraschung sind die Milwaukee Brewers, die nur ein Spiel hinter den Cubs liegen. Das magische Pitching Labor der Brew Crew hat wieder einmal aus ein paar No-Names wie Chad Patrick, Quinn Priester oder Jacob Misiorowski veritable Starter gemacht. Neu in Wisconsin ist aber, dass auch die Offensive funktioniert. 8 der 9 Starter haben ein OPS+ von über 100, selbst der von den White Sox entlassene Andrew Vaughn kommt zu den Brewers und liefert mehrere game winning Hits. In dieser Verfassung hat Milwaukee das Zeug, um ordentlich Lärm in den Playoffs zu machen, sollten sie diese erreichen.

Enttäuschung: Was soll man noch sagen, es sind wieder einmal die Pirates. Die Offensive ist miserabel, da hilft auch kein Paul Skenes mehr. Der nächste Rebuilding Zyklus zeichnet sich am Horizont ab.

Breakout Player: CF Pete Crow-Armstrong, Chicago Cubs

Bild: Minda Haas Kuhlmann

Das Potential zum besten defensiven Center Fielder in der MLB war bei PCA schon früh zu erkennen. Das Potential seines Bats hingegen war stets umstritten. Dieses Jahr wissen wir: Es ist ähnlich hoch, wie das seiner Defensive. 25 Homeruns, ein OPS+ von 140 und ein Wins Above Replacement Wert von 5.2 – Ligaspitze. Crow-Armstrong macht in diesem Jahr den Sprung zum Superstar sowie Franchise Player in Chicago und ist nebenbei auch einer der spektakulärsten Spieler auf dem Feld.

Breakdown Player: RF Bryan Reynolds, Pittsburgh Pirates

Die Buccos sind wirklich nicht gesegnet mit talentierten Offensivspielern, wenn dann auch noch einer der wenigen guten davon ein richtiges Katastrophenjahr hat, ist der Schaden umso höher. Und wenn das dann auch noch der Spieler ist, den diese äußerst sparsame Franchise für 8 Jahre und $106m verlängert hat, kann man sich das Schwitzen auf der Stirn von GM Ben Cherington bildlich vorstellen.

MVP: SP Paul Skenes, Pittsburgh Pirates

Pete Crow-Armstrong ist schon der Breakout Spieler in dieser Division, also muss es jemand anderes als PCA sein. Und auch wenn die Piraten ein trauriges Dasein am Ende der Division führen, so liegt dies gewiss nicht an Paul Skenes, der in seinem zweiten Profijahr zum zweiten Mal der Starting Pitcher des Allstar Games ist. Schade, dass wir ihn in naher Zukunft nicht in den Playoffs sehen werden

Outlook: Ich denke die Cubs werden diese Division am Ende relativ klar gewinnen. Dahinter haben sich die Brewers in eine gute Ausgangslage für die Wild Card gebracht. Die Cardinals werden noch von den Reds überholt, beide Teams verpassen am Ende die Postseason.


NL WEST

Überraschung: Eine richtig starke erste Saisonhälfte inklusive Trade für Rafael Devers macht diese Wahl relativ einfach: Die San Francisco Giants sind voll im Rennen um die Playoffs. Das liegt aber sicher auch an der Enttäuschung…

Enttäuschung: denn das sind die Arizona Diamondbacks, denen ich dieses Jahr den Durchbruch zum legitimen Contender zugetraut hätte. Stattdessen verabschiedete sich Neuverpflichtung Corbin Burnes mit Tommy John Surgery für die Saison, ein Verlust den die Rotation bisher nicht auffangen konnte. Immerhin kriegt man etwas geboten bei den DBacks, kaum ein Team bietet derartig viel Unterhaltungspotential, sei es aufgrund großer Comebacks oder noch größerer Meltdowns.

Breakout Player: CF Andy Pages, Los Angeles Dodgers

Die Dodgers wären nicht die erfolgreichste Franchise der letzten 10 Jahre, wenn sie neben ihrer finanziellen Macht nicht auch eine verdammt gute Talentschmiede wären. Schaut man sich dieses Jahr eine Spielzusammenfassung der Dodgers an, sind es seltener die alten Veteranen wie Mookie Betts oder Freddie Freeman, die zu sehen sind. Stattdessen ist es immer wieder Andy Pages, der die entscheidenden Aktionen zum Sieg beisteuert und damit ein ansonsten sehr großes Loch im LA Outfield stopft.

Breakdown Player: SS Mookie Betts, Los Angeles Dodgers

Mookie ist dieses Jahr kein AllStar. Das letzte Mal, als das passierte, befanden wir uns im Jahr 2015 (Corona-Saison ausgenommen). Das liegt zum einen daran, dass er dieses Jahr aus dem Right Field zum Vollzeit Shortstop umfunktioniert wurde. Das liegt auch daran, dass sein offensiver Output dieses Jahr extrem zurückgegangen ist, in vielen Kategorien stehen deutliche Karriere Negativwerte zu Buche. Das wiederrum kann auch mit einem Virus zusammenhängen, den er sich kurz vor Saisonstart holte und daraufhin über 10 Kilogramm Körpergewicht verlor.

MVP: C Will Smith, Los Angeles Dodgers

Bild: Jeff Warrington

Dreimal Dodgers, das ist vielleicht langweilig, aber diese Division bietet nicht die ganz großen Ausschläge nach Oben oder Unten um sich zwangsweise für andere Spieler zu entscheiden. Natürlich legt auch Ohtani wieder überragende Zahlen auf und führt die National League mit 32 Homeruns an. In der zweiten Saisonhälfte wird er auch wieder vermehrt pitchen und dann ist ihm dieser Titel wieder einmal nicht zu nehmen, aber für den Moment gehört Will Smith das Spotlight. Sein .323 Batting Average und .425 On Base Percentage sind Bestwert in der National League und kommen sehr überraschend. Smith war seine gesamte Karriere über ein guter Schlagmann, aber stets „nur“ als Anführer der zweiten Reihe hinter den Starspielern in Los Angeles. Dieses Jahr ist er einer der entscheidenden Faktoren für den Erfolg der Dodgers, weil er bessere Schwungentscheidungen trifft, dadurch mehr Walks zieht und die Bälle nach denen er schwingt besser trifft.

Outlook: Den Vorsprung von „nur“ 5.5 Spielen der Dodgers hätte ich zu diesem Zeitpunkt der Saison größer eingeschätzt, aber sowohl San Francisco, als auch San Diego spielen starken Baseball. Dennoch sollte LA diese Division problemlos gewinnen. Dahinter kann man davon ausgehen, dass die Giants an der Trade Deadline All-In gehen werden – ich habe dennoch bei den Padres ein besseres Gefühl und tippe, dass San Diego als einziges Team in dieser Division per Wildcard die Playoffs erreicht. Achja, auch die Rockies spielen noch um Titel: Im Rennen um die Auszeichnung als schlechteste Mannschaft der modernen Ära sind sie noch voll dabei.

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