World Baseball Classic 2026 Preview

Der Winter ist langsam vorbei, der Frühling steht in den Startlöchern und das bedeutet auch, die Baseballfreie Zeit ist vorbei. In anderen Worten: Das World Baseball Classic 2026 startet heute Nacht in Tokio!

Nach dem Erfolg 2023 mit dem meiner Meinung nach größten Baseball Moment überhaupt:

…ist das Turnier im Jahr 2026 vollends im Mainstream angekommen. Soll heißen: Alle Länder nehmen dieses Turnier wirklich ernst, die Spieler brennen darauf ihre Farben zu vertreten und man kann es mittlerweile wirklich seriös als Weltmeisterschaft des Baseballs bezeichnen.

Insgesamt 20 Nationen nehmen an der diesjährigen Ausgabe teil. Aufgeteilt werden diese in 4 Gruppen a 5 Teams, welche in San Juan (Puerto Rico), Houston, Tokyo und Miami einmal jeder gegen jeden spielen werden. Die beiden Gruppenbesten ziehen ins Viertelfinale ein, diese finden dann in Houston und Miami statt. Deutschland hat die Qualifikation in einem Winner Takes All Game gegen Brasilien leider knapp verpasst, aber das Turnier bietet trotzdem eine menge spannender Teams und Geschichten.

Pool A – Puerto Rico

Kanada hat einige Major League Spieler in ihrem Roster, Kapitän ist Seattles First Baseman Josh Naylor. Mit Freddie Freeman, Starter Nick Pivetta und Reliever Cade Smith muss Kanada aber auch auf einige Stars verzichten. Dennoch hat man einen sehr soliden Kader, der Chancen auf das Viertelfinale hat – etwas, was den Kanadiern in der Geschichte des WBC noch nie gelungen ist.

Kolumbien setzte sich im Qualifikationsturnier unter anderem mit 9:7 gegen Deutschland durch und konnte in der Vergangenheit schon einige Achtungserfolge feiern. Das Land hat zwar einige Major League Spieler herausgebracht, ist aber kein traditionelles Powerhouse. Angeführt wird das Team durch die beiden erfahrenen Starter Jose Quintana und Julio Teheran.

Kuba hat zwar traditionell wenig Major Leaguer in ihrem Kader, das heißt aber nicht, dass nicht eine Menge Talent in der Mannschaft steckt. 2023 war erst im Halbfinale gegen die USA Schluss und bei der ersten Austragung 2006 erreichte man das Finale. Der Star der Mannschaft ist Livan Moinelo, ein Starting Pitcher der in Japan zum MVP gewählt wurde. Negative Schlagzeilen gab es, weil mehreren Kubanischen Betreuern die Einreise in die USA verwehrt blieb. Die politischen Spannungen sind auch der Grund, weshalb Kuba auf Stars wie Yordan Alvarez oder Aroldis Chapman verzichten muss.

Panama ist auf dem Papier das vielleicht schwächste Team, aber mit Sicherheit kein Kanonenfutter. Beim letzten Turnier holte man zwei Siege gegen Taiwan und Italien und verpasste nur aufgrund des Tiebreakers die KO-Phase. Das Team hat zwar keinen Superstar, dennoch tummeln sich im Kader viele Spieler aus der Major League.

Puerto Rico wäre eigentlich ein Anwärter für den erweiterten Favoritenkreis. Leider muss Manager Yadier Molina auf mehrere Stars verzichten, die keine Versicherung für das Turnier bekommen haben. Francisco Lindor, Javier Baez oder Carlos Correa werden wir also leider nicht zu Gesicht bekommen, dafür aber Edwin Diaz, der sich vor drei Jahren beim Jubel nach einem Sieg im WBC die Patellasehne riss. Überraschende Namen im Kader sind Nolan Arenado und Seth Lugo, die dank ihrer Vorfahren für Puerto Rico spielberechtigt sind.

In dieser Gruppe erwarten uns viele spannende Spiele ohne klaren Favoriten. Puerto Rico ist auf dem Papier die stärkste Mannschaft, aber ohne ihre Stars werden Sie kämpfen müssen, um gegen Kanada und Kolumbien zu bestehen. Kuba hat ebenfalls Chancen aufs Weiterkommen, nur Panama fällt etwas ab, ist aber keinesfalls chancenlos.


Pool B – Houston

Brasilien ist der einzige Neuling in diesem Turnier im Vergleich zu 2023. Für das größte Land Südamerikas ist es die zweite Teilnahme nach 2013, auf einen Sieg im WBC warten sie aber weiter vergeblich. Der einzige Superstar dieser Mannschaft wird leider nicht dabei sein: Bo Bichette wird nach seinem Deal mit den New York Mets nicht beim WBC spielen, dafür ist aber sein Bruder Dante dabei. Ansonsten besteht das Team aus vielen Spielern, die es in Amerika immerhin in die Minor Leagues geschafft haben.

Großbritannien gelang 2023 mit einem Sieg über Kolumbien ein großer Upset. Im Vergleich zum letzten Turnier konnte das Team mit Jazz Chisholm einen Star dazugewinnen. Ansonsten ist der Kader aber ähnlich wie Brasilien eher schwach, mit ein paar Minor League Spielern und natürlich dem Bruder von NBA Star Klay Thompson, Trayce Thompson. Für das Turnier wollte man noch Aroldis Chapman hinzuholen, bei näherer Prüfung fiel allerdings auf, dass er bis auf seinen Nachnamen doch nichts Britisches an sich hatte, was ihn eligible gemacht hätte.

Mit Sam Aldegheri, Gabriele Quattrini und Claudio Scotti stehen nur drei gebürtige Italiener im Kader von Italien, der Rest sind Amerikaner mit italienischen Wurzeln. So tauchen mit Jac Caglianone, Vinnie Pasquantino oder Aaron Nola durchaus bekannte Namen in der Mannschaftsliste aus. Yankees Legende Jorge Posada unterstützt den Coaching Staff, der von Manager Francisco Cervelli angeführt wird. Italien ist das klare Nummer 3 Team in dieser Gruppe, besser als Brasilien und Großbritannien, aber nicht gut genug für die beiden Giganten:

Mexiko und USA. Team Mexiko gehört spätestens nach der letztmaligen Performance zum erweiterten Favoritenkreis, als man bis in das Halbfinale vorstoßen konnte und USA sowie Puerto Rico besiegte. Randy Arozarena entpuppte sich dabei als Star des World Baseball Classics 2023.

Mit Isaac Paredes müssen die Mexikaner zwar auch auf einen sehr guten Spieler verzichten, aber All-Stars wie Alejandro Kirk, Jonathan Aranda oder Andrés Munoz sind die Mexikaner gut gewappnet.

Über das Team USA muss man nicht viele Worte verlieren. Das ist das beste Roster in der WBC-Geschichte dieser Mannschaft. Aaron Judge, Bobby Witt Jr, Tarik Skubal, Paul Skenes, Mason Miller, Bryce Harper, Cal Raleigh, Kyle Schwarber, Gunnar Henderson, Alex Bregman, das ist eine von Allstars und MVP gespickte Auswahl an Spielern die mit Japan und DomRep der klare Turnierfavorit ist.

Alles andere als ein Weiterkommen von Mexiko und den USA in dieser Gruppe wäre eine Überraschung.


Pool C – Tokio

Diese Gruppe ist fast identisch mit der Gruppe B von 2023. Lediglich Taiwan ersetzt die Volksrepublik China.

Australien ist nicht zu unterschätzen. Der professionelle Baseball in dem Land ist auf einem vergleichsweise guten Niveau, die Mannschaft besteht mit zwei Ausnahmen (Südafrika) ausschließlich aus in Australien geborenen Spielern. Im letzten Turnier schafften Sie den Einzug ins Viertelfinale, mit Travis Bazzana haben sie sogar den #1 Pick des 2024er MLB Drafts in ihren eigenen Reihen. Die Mannschaft hat keine bekannten Stars, aber spielt einen grundsoliden Ball.

Taiwan erreichte beim letzten WBC immerhin zwei Siege in der Gruppe, schied aber dennoch als Letztplatzierter aus. Die Mannschaft hat mehrere Minor Leaguer, aber keinen bekannten Namen im Team.

Die Tschechen sind das einzige europäische Team, welches auf Importe im großen Stil verzichtet. Soll heißen: Die Elektriker, Grundschullehrer und Feuerwehrmänner gehen wieder auf große Reise und versuchen, die Herzen der Zuschauer zu gewinnen. So wie Ondrej Satoria, der Shohei Ohtani 2023 mit drei Pitches und 72 Meilen pro Stunde ausstrikte. Legendär ist der mittlerweile 39-jährige Martin Schneider, der sowohl als Pitcher als auch als Batter fungiert, quasi der tschechische Ohtani und auch dieses Jahr wieder Teil des Teams ist.

Japan ist als Rekordsieger und Titelverteidiger Mitfavorit auf den Gesamtsieg. In der Gruppe sollten die Samurai daher keine Probleme bekommen. Einschränken müssen die Japaner sich beim Pitching: Ohtani wird nur als Schlagmann zur Verfügung stehen, die Dodgers haben zudem Roki Sasaki nicht freigegeben. Yoshinobu Yamamoto hingegen wird dabei sein und mit dem japanischen Cy Young Sieger Hiromi Itoh bekommt man schon einen schönen Vorgeschmack auf den nächsten großen japanischen Free Agent.

Südkorea läuft mit dem ein oder anderen bekannten Spieler aus der MLB auf, so ist unter anderem Jung Hoo Lee dabei, der letztes Jahr bei den Giants überzeugen konnte. Insgesamt ist dieses Team die klare Nummer 2 in der Gruppe, darüber hinaus wird es aber schwer werden, in der KO-Phase zu bestehen.

Insgesamt eine recht inhomogene Gruppe, in der die Rollen klar verteilt sind. Japan sollte sich problemlos durchsetzen, dahinter ist Korea klar das beste Team. Dennoch haben wir mit Australien und Tschechien zwei echt coole Truppen dabei, denen ich den ein oder anderen Überraschungssieg gönnen würde.


Pool D – Miami

Und damit kommen wir zum vielleicht absurdesten Lineup des Turniers: Die Dominikanische Republik. Nach 2013 soll endlich der zweite Titel her und Manager Albert Pujols hat keine Kosten und Mühen gespart, um ein All-Star Ensemble zusammen zu stellen. Das Starting Lineup vom Testspiel gestern sah wie folgt aus:

Und da sind Leute von der Bank wie Jeremy Pena oder Oneil Cruz noch gar nicht eingerechnet. Auch im Pitching Staff sind zahlreiche namenhafte Spieler dabei: Sandy Alcantara, Luis Severino oder Cristopher Sanchez, dazu der vielleicht beste Bullpen mit Leuten wie Abner Uribe, Carlos Estevez, Seranthony Dominguez, Camilo Doval oder Gregory Soto. Ich würde mich derzeit nicht darauf festlegen wollen, wer ein Spiel zwischen der Dominikanischen Republik und Team USA / Samurai Japan gewinnen wird.

Aber auch der Rest der Gruppe kann sich sehen lassen. Israel ist zwar klarer Außenseite, kann mit Spielern wie Harrison Bader, Tommy Kahnle oder Dean Kramer ein paar solide Major Leaguer stellen. Mit Outfielder Assaf Lowengart gibt es nur einen gebürtigen Israeli, den Rest des Teams stellen jüdischstämmige Amerikaner. Joc Pederson, Anführer des Teams von 2023, wird dieses Mal nicht dabei sein.

Die Niederlande wird angeführt von Manager Andruw Jones, der 2006 selbst für die Niederlande im WBC auflief. Ein Aufeinandertreffen mit der Dominikanischen Republik löst Erinnerungen an den größten Upset der Turniergeschichte aus: 2009 eliminierte die Niederlande sensationell den haushohen Favoriten DR in Extra Innings aus dem Turnier:

Während das Team damals noch zum großen Teil aus Minor Leaguern oder Halbprofis bestand, kann Oranje dieses Jahr auf ordentlich Starpower zurückgreifen: Xander Bogaerts, Ozzie Albies, Ceddanne Rafaela oder Kenley Jansen laufen für die Niederlande auf. Die Achillesferse wird das Pitching sein, wo es kaum etablierte Starter gibt.

Der Star bei Nicaragua ist der Manager: Dusty Baker schwingt sich mit 76 Jahren nochmal auf den Manager Stuhl und übernimmt ein Team, welches sportlich nur zweitklassig ist. Bis auf Mark Vientos von den Mets gibt es kaum namenhafte Major Leaguer, viele spielen zuhause in der landeseigenen Liga die sportlich nicht zur Oberklasse gehört. Dieses Team ist definitiv das Schwächste in dieser Gruppe und wahrscheinlich auch im gesamten Turnierfeld.

Venezuela gehört mit Puerto Rico und Mexico zur Gruppe der „Dark Horses“. Zu den Favoriten Japan, USA und DomRep fehlt zwar noch ein Stück, aber dennoch ist der Kader vor allem im Feld gespickt mit Stars: Im Outfield starten Ronald Acuna Jr. Oder Jackson Chourio, das Infield besteht ausschließlich aus gestandenen Major Leaguern mit Namen wie Willson Contreras, Andrés Gimenez, Eugenio Suarez, Gleyber Torres oder Maikel Garcia und auf der Catcher Position ist mit William Contreras und Salvador Perez kein Team besser besetzt. Spannend wird es beim Pitching: Mit Ranger Suarez und Eduardo Rodriguez hat das Team zwei legitime Starter und mit Eduard Bazardo oder Daniel Palencia zwei dominante Reliever. Dahinter könnte das Niveau aber etwas abfallen. Mit Venezuela wird zu rechnen sein, 2023 konnten sie die DR in der Gruppenphase sogar schlagen, bevor sie knapp mit 7-9 im Viertelfinale gegen die USA verloren.

Insgesamt eine Gruppe mit zwei klaren Favoriten in der DomRep und mit Venezuela. Gleichzeitig haben auch Israel und die Niederlande etwas zu bieten, es braucht aber ein Wunder wie einst 2009, damit einer der beiden Teams in das Viertelfinale einzieht.


Die Viertelfinalspiele werden am 13. Und 14. März ausgetragen, dabei spielen die Gruppe A und B sowie die Gruppe C und D überkreuz. Die USA hat also ein potentiell leichteres Los, während die Chancen sehr hoch sind, dass wir bereits im Viertelfinale den Kracher Japan vs. Dom Rep oder Japan vs. Venezuela zu Gesicht bekommen werden.

Die Gruppenphase startet in Deutschland morgen früh um 4:00 Uhr mit dem Spiel zwischen Taiwan und Australien in Japan. Um 11:00 Uhr folgt Tschechien gegen Südkorea und ab dem 6. März sind dann alle Gruppen aktiv.

Highlightspiele der Vorrunde

  • 6.März – Puerto Rico vs. Kolumbien – 1:00 Uhr Nachts in Deutschland
  • 9.März – Mexiko vs. USA – 2:00 Uhr Nachts in Deutschland
  • 11.März – Dominikanische Republik vs. Venezuela – 2:00 Uhr Nachts in Deutschland

Den vollen Schedule gibt es hier

Aber nicht alle Spiele sind Nachts. In der Regel finden pro Gruppe zwei Spiele pro Tag statt, das erste Spiel startet meist zwischen 17:00 und 19:00 Uhr deutscher Zeit.

Die Halbfinals sind am 15. und 16 März, das Finale findet am 17. März statt.

Zu sehen sein wird das ganze (wahrscheinlich?) über MLB.tv. Zudem überträgt Sportdigital 40 der 47 Spiele des Turniers. In Amerika überträgt Fox bzw. streamt über Fox One.

Highlights zu allen Spielen wird es auf dem offiziellen WBC Youtube Kanal geben. Dort findet man auch kleine Vorstellungsvideos zu jedem Teilnehmerland:

Behind the Flag: Czechia – From Unknown to Known 🇨🇿

Die Vorfreude bei mir ist riesig. Das WBC verkörpert für mich einfach was sehr schönes, puristisches. In einem Business was primär von Geld dominiert wird, legen die Spieler ihre Brille ab und sind heiß auf den sportlichen Wettkampf und nicht auf das große Geld. Dabei gucken ihnen Millionen von Menschen in ihrer Heimat zu und fühlen sich ihrer Mannschaft verbunden und das aus Teils wirklich armen Ländern, in den Baseball ein großer Pfeiler der Kultur ist. Das catcht mich einfach, weil es so untypisch für den „sterilen“ amerikanischen Sport ist. Dazu hast du mit dem lateinamerikanisch geprägten Miami wieder einen großartigen Austragungsort und in Puerto Rico erwartet uns ebenfalls eine Stimmung auf dem Siedepunkt. und nicht zuletzt treffen wieder Tschechische Elektriker auf einen Baseball-Miliardär, vor den Augen von zig Millionen Menschen in Japan und der Welt. Baseball Herz, was willst du mehr?

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